PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Leistungsdruck
-
Wenn Selbstoptimierung zum Problem wird

Gesünder leben, produktiver arbeiten, glücklicher sein: Eigentlich spricht nichts dagegen, an sich zu arbeiten. Doch viele setzen sich in Sachen Selbstoptimierung enorm unter Druck. Wie man von dem Perfektionsanspruch wegkommt.
AutorKontaktdpa
Datum 11.08.2026  12:00 Uhr

Statt einfach joggen zu gehen, geht es gleich um den perfekten Trainingsplan für einen Halbmarathon, mit optimalem Schuh, genügend »Carbs« pro Einheit und einem ausgeklügelten Regenerationsprogramm. Auch der Schlafindex muss optimiert werden. Statt schlicht auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, muss alles »High-Protein« sein, werden Makros getrackt und Mikronährstoffe per Supplement zugeführt.

An solchen Beispielen zeigt sich schnell: Der Drang nach Verbesserung kann in ständigen Leistungsdruck umschlagen. Mögliche Folgen sind Stress, Erschöpfung und ein permanentes Gefühl des Nicht-genug-Seins. Wie findet man da wieder raus?

»Im Prinzip ist der Hang zum Perfektionismus immer problematisch«, sagt Nathalie Claus, Psychologische Psychotherapeutin am Institut für Psychologie der Universität Bremen. Ungesund wird es ihr zufolge vor allem, wenn man

  • sich unrealistische Ziele setzt, zum Beispiel »Ich darf keine Fehler machen«.
  • unflexibel mit Zielen und Standards umgeht. Etwa: Die Wohnung muss auch dann akribisch saubergemacht werden, wenn man nach einem langen Arbeitstag müde nach Hause kommt.
  • den Selbstwert mit den eigenen Standards verknüpft. Jemand wertet sich selbst ab und bezeichnet sich innerlich etwa als »Versager«, wenn er oder sie eigene Standards nicht einhält.

Leistungsdruck und Dauerstress hinterlassen Spuren

»Selbstoptimierung wird dann zum Problem, wenn das eigene Handeln einen leiden lässt«, sagt auch Sarah Pritz, Kultursoziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachgebiet Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie an der TU Berlin. Statt das Wohlbefinden zu steigern, stehen Betroffene unter ständigem schädlichem Stress, sind emotional und physisch erschöpft oder dauerhaft unzufrieden. Das kann sich etwa auch in Depressionen oder Schlafstörungen äußern. Eine medizinische Diagnose ist Selbstoptimierungswahn aber nicht.

Der Unterschied zwischen gesunder Weiterentwicklung und Selbstoptimierungswahn sei oft nicht einfach auszumachen, so Nathalie Claus. Gesunde Weiterentwicklung geht mit Selbstfürsorge einher: Man möchte etwas an sich zum Positiven verändern. »Das ist nicht weiter problematisch, solange man bei der Weiterentwicklung flexibel bleibt, sich also auch mal eingesteht, dass es an dem einen oder anderen Tag nicht so gut passt, sich selbst zu optimieren und perfekt zu sein«, sagt die Psychologische Psychotherapeutin.

Ein mögliches Warnsignal für Selbstoptimierungswahn könne sein, dass Betroffene bestimmte Bedürfnisse – etwa soziale Kontakte – vernachlässigen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen und über ihre Grenzen gehen, so Claus.

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa