Während Selbstreflexion und Psychoedukation wichtig sind, kann eine übermäßige Beschäftigung mit psychischen Symptomen, zum Beispiel auf Social Media, schädlich sein. / © Getty Images/Catherine Falls Commercial
Psychoedukation umfasst die »Wissensvermittlung über psychische Erkrankungen, psychische Gesundheit, Behandlungsmöglichkeiten, aber auch Prävention«, sagt Elisabeth Dallüge. Sie ist stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV). Psychoedukation soll Betroffenen helfen, psychische Beschwerden oder Erkrankungen besser zu verstehen und einzuordnen. Sie ist keine eigenständige Therapieform, aber eine Behandlungskomponente, die in vielen modernen Therapiekonzepten eingesetzt wird.
Für Psychologin, Psychotherapeutin und Coachin Miriam Junge bedeutet sie außerdem, psychologische Zusammenhänge verständlich zu machen: »Wie hängen Gedanken, Gefühle, Körperreaktionen und Verhalten zusammen?« Viele Betroffene erleben dadurch Entlastung und erkennen erstmals: »Meine Reaktion ist nicht falsch. Ich bin damit nicht allein.«
Wissen über die eigene Psyche kann entlasten, weil psychische Beschwerden oft beängstigend wirken, wenn sie nicht eingeordnet werden können. »Unbekannte Sachen machen immer mehr Angst als Sachen, die ich einordnen kann«, sagt Dallüge. Wer besser versteht, was mit ihm passiert, kann Unsicherheit reduzieren und die eigene Situation besser annehmen.
Auch Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit können dadurch wachsen. Wer eigene Reaktionsmuster, Warnzeichen oder Belastungsfaktoren erkennt, kann laut Dallüge bewusster mit sich umgehen und gezielter gegensteuern – etwa weil man Zusammenhänge zwischen Schlaf, Stress und Stimmung besser versteht.
Psychoedukation kann außerdem den Therapieprozess unterstützen. Wer die eigene Erkrankung besser versteht, kann aktiver an der Behandlung mitwirken. »Wissen ersetzt mit Sicherheit keine Psychotherapie, aber Wissen kann Therapie wirksamer machen«, sagt Dallüge.
Gleichzeitig hat Psychoedukation laut Dallüge einen präventiven Auftrag. Sie vermittelt Wissen über die psychische Gesundheit und hilft Menschen, Gefühle und Belastungen besser einzuordnen. Davon profitieren nicht nur Betroffene. Auch Angehörige können durch Psychoedukation psychische Erkrankungen besser verstehen. Das kann Schuldzuweisungen und Missverständnisse verringern und den gemeinsamen Umgang mit der Erkrankung erleichtern.