| Barbara Döring |
| 28.08.2026 16:00 Uhr |
Herpes-zoster-Viren bleiben nach einer Windpockeninfektion in den Nervenzellen und können später eine Gürtelrose verursachen. / © Getty Images/Rasi Bhadramani
Schon seit Tagen fühlt man sich müde und abgeschlagen, dann juckt oder kribbelt eine Hautstelle – meist am Rücken – und es zeigt sich ein rötlicher Hautausschlag mit flüssigkeitsgefüllten Bläschen. Der Ausschlag ist oft mit starken, brennenden oder stechenden Schmerzen verbunden. Manche Patienten berichten, der Schmerz sei kaum auszuhalten und würde brennen »wie Feuer unter der Haut«. Meist treten die Bläschen nur auf einer Körperseite auf und legen sich – einem »Gürtel« ähnlich – um den Rücken. Daher der umgangssprachliche Ausdruck »Gürtelrose«. Seltener sind beide Seiten des Rumpfes oder andere Körperbereiche wie Arme, Beine, Hals oder Gesicht betroffen.
Ausgelöst wird die Gürtelrose durch Herpes-zoster-Viren, die zu den humanen Herpesviren zählen und nach einer Ansteckung lebenslang in Nervenzellen überdauern. Nach der Infektion entwickeln sich zunächst die Windpocken (Varizellen) mit juckendem Hautausschlag und starkem Fieber. Bevor im Jahr 2004 in Deutschland die Windpocken-Impfung eingeführt wurde, erkrankten etwa 90 Prozent der Bevölkerung bereits im Kindesalter. Das Virus kann sich beim Atmen, Husten, Niesen oder Sprechen über den »Wind« verteilen.
Wer die winzigen Speicheltröpfchen beim Einatmen aufnimmt oder mit der Flüssigkeit aus den Bläschen eines Erkrankten in Kontakt kommt, steckt sich fast unweigerlich damit an, wenn er die Erkrankung selbst noch nicht durchgemacht oder nicht gegen die Windpocken geimpft ist. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Schutzimpfung gegen Windpocken mit zwei Impfdosen für alle Kinder und Jugendlichen. Die erste Impfung sollte im Alter von elf Monaten erfolgen, die zweite im Alter von 15 Monaten. Zwar können sich auch Impfviren reaktivieren und eine Gürtelrose verursachen. Das geschieht jedoch deutlich seltener als nach einer Infektion mit dem Wildtyp.
Nach der Infektion hält das Immunsystem die Viren in der Regel erfolgreich in Schach. »Sobald das Immunsystem geschwächt wird, etwa bei einer Chemotherapie, einer HIV-Infektion oder mit zunehmendem Alter aufgrund der Immunseneszenz, können die Viren wieder aufwachen«, erläutert Professor Dr. Clara Lehmann, Leiterin der AG Ambulante Infektiologie der Uniklinik Köln im Gespräch mit PTA-Forum. Auch starker Stress oder vorangegangene Infekte können die Viren mitunter aus ihrem Tiefschlaf wecken. Sie wandern entlang der Nervenbahnen zur Hautoberfläche und verursachen den oft sehr schmerzhaften Ausschlag der Gürtelrose.
Mit zunehmendem Alter steigt nicht nur allgemein das Risiko, an einer Gürtelrose zu erkranken, sondern auch, dass sich der Zoster an eher untypischen Stellen wie etwa dem Kopf manifestiert. Betreffen die Bläschen das Auge (Zoster ophthalmicus), kann es zu Entzündungen von Hornhaut, Bindehaut oder Netzhaut kommen. Zudem besteht in schweren Fällen das Risiko eines Glaukoms oder einer Retina-Nekrose. Die Gürtelrose macht sich am Auge mitunter mit stechenden Schmerzen bemerkbar, noch bevor Bläschen auftreten.
Ist der Gehörgang betroffen, spricht man von Zoster oticus. Der Befall kann mit Gesichtslähmung, Schwindel und Hörproblemen einhergehen. In seltenen Fällen greifen die reaktivierten Viren die Hirnhäute an. Bei immungeschwächten Menschen sind zudem schwere Verläufe des gesamten Körpers möglich, die von einer primären Windpocken-Erkrankung dann nicht mehr zu unterscheiden sind.
Besteht der Verdacht auf Gürtelrose, sollten Patienten umgehend den Arzt aufsuchen. Eine frühzeitige Therapie ist wichtig, um eine weitere Ausbreitung des Hautausschlags zu vermeiden und die oft sehr starken Schmerzen zu lindern, die unbehandelt chronifizieren können. Die Therapie bewältigen die Patienten in der Regel selbstständig zu Hause. Nur in schweren Fällen ist eine stationäre Aufnahme erforderlich.
Zur Behandlung kommen systemische antivirale Medikamente wie Aciclovir oder andere Nukleosidanaloga wie Valaciclovir, Famciclovir oder Brivudin sowie antiseptische Mittel zur lokalen Behandlung des Exanthems zum Einsatz. Bei frischen Bläschen empfiehlt die S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Zosters und der Postzoster-Neuralgie kühlende, entzündungshemmende oder antiseptische Lösungen wie Octenidinlösung. Sind die Bläschen verkrustet, können antiseptische und krustenlösende Gele wie polihexanidhaltige Gele empfohlen werden. Eine topische antivirale Therapie auf der Haut ist nicht angezeigt. In Studien hatte Aciclovir-Creme bei Gürtelrose keinen nachweisbaren Nutzen.
Sind die Augen vom Zoster betroffen, empfiehlt die Leitlinie zusätzlich zur systemischen Therapie lokale Aciclovir-Präparate wie Aciclovir 3 Prozent Augensalbe, die fünfmal täglich im Bereich des betroffenen Auges aufgetragen wird. Bei stärkerem Befall kann die Anwendung von topischen Steroiden unter augenärztlicher Kontrolle sinnvoll sein.
Manchmal verursacht der Ausschlag Juckreiz, der die Patienten veranlasst, an den Bläschen zu kratzen. Davon sollten PTA Betroffenen unbedingt abraten, damit sich die Beschwerden nicht weiter verschlimmern: »Platzen die wassergefüllten Bläschen auf, können sie sich entzünden«, erläutert die Fachärztin für Innere Medizin, Infektiologie und Reisemedizin. »Die Bläschen sollten wie eine Wunde lokal behandelt werden, sodass sie austrocknen und verkrusten.« Die Abdeckung, etwa mit einer Mullbinde, senkt auch das Risiko, dass infektiöses Material weitergegeben wird oder durch Kratzen Narben entstehen.
Der Inhalt der wassergefüllten Bläschen ist infektiös, sodass sich Menschen, die noch nicht an Windpocken erkrankt waren oder nicht dagegen geimpft sind, anstecken können, wenn sie damit in Berührung kommen. Eine Tröpfcheninfektion ist in der Regel nicht möglich. Sie entwickeln dann keine Gürtelrose, sondern erkranken an Windpocken. Der Kontakt mit Gürtelrose-Bläschen löst bei bereits immunen Personen keine Gürtelrose aus. Gürtelrose entsteht durch die Reaktivierung eigener latent vorhandener Zosterviren, nicht durch Neuinfektion von außen. An Gürtelrose Erkrankte sollten vor allem den Kontakt zu Schwangeren meiden, da eine Windpockeninfektion für das Ungeborene gefährlich sein kann.
Verursachen die Bläschen Juckreiz, helfen kühlende Umschläge oder juckreizlindernde Wirkstoffe wie Polidocanol. Als Spray aufgetragen, lässt sich vermeiden, dass die Hände bei der Anwendung mit den Bläschen in Berührung kommen. Bleibt der Juckreiz weiter bestehen, nachdem die Bläschen abgeheilt sind, wirken Pflegebalsame mit beruhigenden Inhaltsstoffen wie Niacinamid lindernd. Nach einer Gürtelrose kann die Hautschutzbarriere erst einmal geschwächt sein. Eine feuchtigkeitsspendende Pflege, etwa mit Panthenol, unterstützt die Regeneration. Gerade bei empfindlicher Haut können nach einer Gürtelrose Narben bleiben. Narbengels oder -cremes mit regenerierenden Wirkstoffen, die nach dem Abklingen des Ausschlags regelmäßig sanft einmassiert werden, helfen, die Narbenbildung möglichst gering zu halten.
PTA können Kunden Ratschläge mit auf den Weg geben, die den Heilungsprozess bei Gürtelrose unterstützen. Bei Verdacht auf eine Herpes-zoster-Erkrankung ist immer zum Arztbesuch zu raten.
Nach etwa fünf Tagen verkrusten die Bläschen, nach zwei bis vier Wochen heilen die Hautveränderungen meist vollständig ab. Doch selbst wenn der Ausschlag bereits abgeklungen ist, können die zum Teil sehr starken Zosterschmerzen fortbestehen. »Das Wichtigste bei einer Gürtelrose ist, die Nervenschmerzen sofort zu behandeln«, erläutert Lehmann. Auch wenn nur ein kleiner Hautbereich von der Gürtelrose betroffen ist, sollten Patienten die Erkrankung ernst nehmen und einen Arzt aufsuchen. Um die Vermehrung der Viren zu stoppen und Spätfolgen zu verhindern, beginnt die antivirale Behandlung möglichst innerhalb von 72 Stunden, nachdem die ersten Bläschen aufgetreten sind.
Persistieren sie länger als drei Monate, ist von einer postzosterischen Neuralgie (PZN) die Rede, auch postherpetische Neuralgie genannt. Sie ist die häufigste Komplikation einer Gürtelrose. Das Risiko dafür steigt mit zunehmendem Alter mit einem steilen Anstieg nach dem 50. Lebensjahr. Einige Patienten mit PZN haben auch mehr als ein Jahr nach der Gürtelrose noch Schmerzen. Meist werden diese im Laufe der Zeit weniger, manchmal bleiben sie jedoch noch Jahre nach der Erkrankung bestehen.
Patienten sind unterschiedlich stark von Schmerzen betroffen. Zudem hat jeder Mensch ein anderes Schmerzempfinden. »Manchen reicht Paracetamol, meist muss man jedoch stärkere, rezeptpflichtige Schmerzmittel einsetzen«, sagt Lehmann. Zum Teil sind die Schmerzen so heftig, dass Morphine nötig sind. Dabei käme es auch darauf an, welche Körperteile betroffen sind. »Gerade im Gesicht, etwa am Auge, ist der Zoster besonders schmerzhaft«, weiß die Expertin.
Die S2k-Leitlinie empfiehlt eine Schmerzbehandlung entsprechend der Schmerzintensität gemäß dem WHO-Stufenschema mit Nichtopioid-Analgetika wie Paracetamol, Metamizol, Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen oder selektivem COX-2-Hemmer. Bei starken Beschwerden kommen schwach wirksame Opioide wie Tramadol, Tilidin und Naloxon zum Einsatz oder auch starke Präparate wie Oxycodon oder Hydromorphon. Koanalgetika wie Antidepressiva und Antikonvulsiva können in manchen Fällen ergänzend hilfreich sein. Halten die Schmerzen trotz Schmerztherapie auch vier Wochen nach Abheilung des Hautausschlags an, sollte ein Schmerzspezialist hinzugezogen werden.
Auch die betroffene Hautstelle kann nach einer Gürtelrose empfindlich bleiben, wenn die Nerven dort geschädigt wurden. Selbst nach Abheilung des Ausschlags werden Berührungen dann als schmerzhaft empfunden. Besonders ältere Menschen oder Patienten, bei denen die Behandlung spät begann, können davon betroffen sein.
Neben anhaltenden Schmerzen sind weitere Komplikationen nach einer Gürtelrose möglich. Da die Varizellaviren auch in Blutgefäßen Entzündungen verursachen können, ist vor allem in den ersten Monaten nach der Erkrankung das Risiko für Schlaganfall und Vaskulopathie erhöht. In schweren Fällen ist zudem eine Gehirnhautentzündung nicht auszuschließen.
Der Anteil älterer Menschen nimmt weiter zu, so steigt auch die Zahl der Gürtelroseerkrankungen. Die Herpes-zoster-Impfung spielt deshalb eine große Rolle in der Prävention einer Reaktivierung der Zosterviren und vor allem, um Komplikationen wie der Post-Zoster-Neuralgie vorzubeugen. Seit März 2018 ist in Deutschland ein rekombinanter Zoster-Impfstoff zugelassen. In zwei Zulassungsstudien zeigte er eine Wirkung von über 90 Prozent gegen Zoster und über 89 Prozent gegen chronische Schmerzen. Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die Gürtelrose-Impfung allen Personen ab 60 Jahren als Standardimpfung. Eine Indikationsimpfung für Personen mit einem erhöhten Risiko, an Herpes zoster zu erkranken, wird ab 18 Jahren empfohlen. Sie gilt etwa bei Grunderkrankungen wie rheumatoider Arthritis, chronischer Nierenerkrankung, COPD, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Diabetes sowie einer Immunsuppression. Die Empfehlung gilt unabhängig davon, ob die Person bereits an Windpocken erkrankt war oder mit dem Varizellen-Lebendimpfstoff gegen Windpocken geimpft wurde.
Wer sich gegen Gürtelrose impfen lässt, könnte doppelt davon profitieren. Studien weisen auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Schutz vor Demenz hin. Im Jahr 2013 gab es in Wales ein Impfprogramm, bei dem sich jeder, der 79 Jahre alt war, gegen Gürtelrose impfen lassen konnte. Menschen ab 80 Jahren hatten jedoch keinen Anspruch mehr.
Bei einer vergleichenden Untersuchung zeigte sich, dass mehr als einer von sechs Nichtgeimpften eine Demenz entwickelte. Dagegen erkrankte nur einer von acht Geimpften. Der Schutz durch die Impfung war bei Frauen stärker ausgeprägt, möglicherweise aufgrund geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Immunantwort.
Noch ist unklar, wie der Impfstoff vor Demenz schützen könnte und ob ein neu entwickelter Zoster-Impfstoff einen ähnlichen oder sogar größeren Schutz bieten könnte. Forschende der University of Oxford vermuten, dass der Effekt auf das dem Impfstoff beigesetzte Adjuvans AS01 zurückzuführen sein könnte. Ein ursächlicher Zusammenhang ist bislang nicht abschließend geklärt.
Der Totimpfstoff (Shingrix®) besteht aus einem Virusprotein und einem Wirkverstärker und wird intramuskulär in zwei Dosen im Abstand von zwei Monaten verabreicht. Die Impfungen sollten maximal sechs Monate auseinanderliegen. Die Kosten für die Impfung der von der STIKO empfohlenen Personengruppen werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Nachdem das Apothekenreformgesetz im Juli 2026 in Kraft getreten ist, dürfen künftig auch entsprechend geschulte Apotheker und Apothekerinnen, PTA, Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) und Pharmazieingenieure die Immunisierung mit Totimpfstoffen vornehmen.
Die Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs sind durch mehrere Studien auch bei eingeschränktem Immunsystem belegt. »Die Impfung schützt davor, die Erkrankung erst gar nicht zu bekommen oder zumindest nur abgeschwächt«, sagt Lehmann. »Die Gürtelrose verläuft dann nicht so fulminant und vor allen Dingen treten sehr viel seltener Komplikationen wie sehr starke neuralgische Schmerzen auf.«
Manche Personen berichten von Beschwerden nach der Impfung. »Etwa 30 Prozent der geimpften Personen zeigen eine etwas stärkere Immunreaktion«, berichtet die Infektiologin. Für 24 bis 48 Stunden fühlten sie sich vielleicht müde, manchmal käme es zu leichtem Fieber oder auch mal Gliederschmerzen. Dies sei jedoch nicht ungewöhnlich und eine normale Reaktion des Immunsystems.
Die Expertin vergleicht die Reaktion mit den Bemühungen beim Bau eines Zauns, um ein Haus zu sichern. Dabei könnte man sich auch mal mit dem Hammer auf den Finger hauen, schwitzen oder Muskelkater bekommen. Das sei zwar unangenehm, doch danach sei das Haus geschützt – wie auch der Körper nach der Impfung. Ein anschauliches Bild, um Patienten die Angst vor möglichen Nebenwirkungen zu nehmen.
Während der Corona-Pandemie wurde in der Literatur mehrfach über Herpes-zoster-Fälle nach einer Covid-19-Impfung berichtet. Dabei war zunächst nicht klar, ob die Fälle auf eine vermehrte Berichterstattung oder einen Anstieg der Inzidenz zurückzuführen waren. Die University of California, San Francisco, ging dieser Frage mit einer großen retrospektiven Kohortenstudie nach.
Die Wissenschaftler analysierten die Daten von mehr als zwei Millionen Menschen im mittleren Alter von 43,2 Jahren, die gegen SARS-CoV-2 geimpft worden waren (Biontech/Pfizer, Moderna, Johnson & Johnson). Dabei ermittelten sie die Häufigkeit von Gürtelrose-Diagnosen 30 Tage nach der ersten oder zweiten Impfdosis und verglichen sie mit späteren Zeitintervallen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Covid-19-Impfung nicht mit einem erhöhten Risiko für eine Reaktivierung von Herpes-zoster-Viren assoziiert ist.