| Isabel Weinert |
| 05.11.2026 16:00 Uhr |
Bei einer inversen saisonalen Depression stimmt Wintersonne aus verschiedenen Gründen traurig. / © Adobe Stock/USeePhoto
Für diese besondere Form der Depression existieren sowohl biologische als auch sozialpsychologische Ursachen. Zum einen bringt es den Hormon- und Biorhythmus aus dem Takt, wenn im Winter ungewöhnlich viel Sonne vom Himmel lacht. Denn sie sorgt für ein Plus an Serotonin und ein Minus an Melatonin im Körper – also das Gegenteil vom eigentlichen Winter-Rhythmus des Organismus. Geschieht dieser Wechsel sehr rasch, bedeutet das für den Körper Stress, der Schlafstörungen und dadurch bedingt eine traurigere Stimmungslage mit sich bringen kann.
Ein wesentlicher psychischer Faktor ist die sogenannte Öko-Anxiety, die Angst aufgrund des Klimawandels. Diese bewirkt, dass viele Menschen ungewöhnlichen Sonnenschein und Wärme in den Wintermonaten nicht mehr als Geschenk sehen, sondern als Bedrohung und sichtbares Zeichen des Klimawandels. Das damit verbundene Gefühl von Hilflosigkeit kann in einer tiefen Zukunftsmelancholie münden. Experten sprechen auch von Solastalgie als dem starken psychischen Schmerz, der entsteht, wenn sich Vertrautes durch Umweltbedingungen negativ verändert.
Die Apotheke und damit auch PTA als oft erste Anlaufstelle für Menschen, auch in seelischen Notlagen, sollten die depressiven Symptome durch Wintersonne und -wärme nicht abwiegeln und beschwichtigen, sondern Verständnis signalisieren. Sie können Betroffenen zu festen Schlafenszeiten und einer Abdunkelung am Abend raten, um die Produktion von Melatonin zu unterstützen. Je nach geschilderten Symptomen können sie zu Johanniskraut- oder Lavendelölpräparaten raten, müssen aber unbedingt die Red Flags beachten, um Zeichen tiefster Depression zu erkennen und dann an den Arzt zu verweisen.