| Isabel Weinert |
| 02.10.2026 16:00 Uhr |
Gewichtszunahme ist eine weitere gravierende Nebenwirkung, die einen Therapieabbruch wahrscheinlicher macht. Wie bei den Sexualstörungen hängen Wahrscheinlichkeit und Ausmaß auch hier vom jeweiligen Wirkstoff ab. So ist das Risiko durch den Eingriff in hormonelle und neuronale Regelkreise, die den Appetit steuern, besonders hoch bei Mirtazapin, bei Trizyklika und bei Paroxetin. Tendenziell gewichtsneutral verhalten sich Sertralin und Citalopram, Escitalopram und Duloxetin sowie Venlafaxin. Ein sehr geringes Risiko für steigendes Körpergewicht findet sich bei Bupropion, das anfangs mitunter sogar eine leichte Gewichtsabnahme induziert, sowie bei Fluoxetin und Agomelatin.
Wie können PTA beratend helfen? Der schwerste Weg für Patienten, denen es seelisch ohnehin schon nicht gut geht, ist sicher der, den Lebensstil zu ändern. In der Theorie leuchtet dieser Rat zwar ein, aber wie kommt er bei einem depressiven Menschen an, und wie kann er das umsetzen? Dennoch können PTA darauf hinweisen, dass man sich möglichst viel bewegen und beim Essen den Fokus auf Gemüse, Ballaststoffe und Eiweiß richten sollte. Deutlich lebensnäher ist die neue Option, GLP-1-Rezeptoragonisten einzusetzen oder auch Metformin. GLP-1-Agonisten wie Semaglutid und Liraglutid können psychiatrisch induziertes Übergewicht effektiv reduzieren.
Bestimmte Antidepressiva können eine Gewichtszunahme begünstigen, was Patientinnen und Patienten belasten kann. Hier ist Beratung wichtig. / © Getty Images/Westend61/Phillip Waterman
Bislang übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die »Abnehmspritze« jedoch generell auch dann nicht, wenn notwendige Medikamente eine deutliche Gewichtszunahme verursacht haben. Somit ist es in Fällen, in denen eine Anwendung ärztlich indiziert wäre, leider eine Frage des Sich-leisten-Könnens, ob eine die Gesundheit gefährdende Gewichtszunahme, für die der Mensch ja nichts kann, effektiv verhindert oder in Grenzen gehalten wird.
PTA können Menschen mit Leidensdruck durch eine medikamentös bedingte Gewichtszunahme außerdem dazu raten, ein Ernährungstagebuch zu führen. Hier vermerken Menschen nicht nur, was sie wann essen, sondern auch, warum. Mit der Zeit erkennen sie daraus Mechanismen, die immer wieder zum Snacken führen, oder auch die Gründe für Heißhungerattacken. Auch wenn dies helfen kann, weniger zu essen, so wird es vermutlich die medikamenteninduzierte Gewichtszunahme nicht völlig ausbremsen können. Der Arzt hat dann die Option, das Medikament zu wechseln oder die Dosis zu reduzieren.