| Isabel Weinert |
| 02.10.2026 16:00 Uhr |
Manchmal denken Patienten aber, sie könnten gar nicht anders, als das Antidepressivum ganz schnell abzusetzen, weil sie akut ein Medikament brauchen, das mit dem gegen die Depressionen stark wechselwirkt. Wie gehen PTA in diesen Fällen vor? Zunächst sollten sie Patienten mit diesen Sorgen darin bestärken, dass sie damit in der Apotheke genau richtig sind. Denn tatsächlich können einige Antibiotika, wie Makrolide oder Fluorchinolone, den Abbau bestimmter Antidepressiva im Körper verzögern und damit gemeinsam mit ihnen das Herz stark belasten. In diesen Fällen gibt es drei Möglichkeiten:
Nach Rücksprache mit dem Arzt wird das in diesem Fall gefährliche Antibiotikum durch eines ausgetauscht, das zusammen mit Antidepressiva funktioniert. Dazu gehören etwa bestimmte Penicilline. Geht es wirklich ausschließlich mit dem verordneten Akutpräparat, dann haben Ärzte zwei Möglichkeiten: Entweder senken sie die Dosis des Antidepressivums unter häufiger Kontrolle vorübergehend ab, oder sie ordnen engmaschige regelmäßige Untersuchungen an, etwa des Herzens.
Tatsächlich gibt es auch Medikamente, die als Nebenwirkung depressive Symptome verstärken können. PTA sollten besonders aufpassen, wenn Menschen auch Betablocker, Glucocorticoide oder hormonelle Kontrazeptiva einnehmen. Ebenso scheinen Finasterid/Dutasterid das Risiko für die Nebenwirkung Depression zu bergen, außerdem Acitretin oder Isotretinoin gegen Akne sowie einige Antiepileptika wie Phenytoin oder Clonazepam.
Ein lebenswichtiger Aspekt zu Beginn einer Therapie mit manchen Antidepressiva ist die Suizidprävention. Besonders selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie Citalopram oder Fluoxetin steigern oft zunächst den Antrieb, erst später die Stimmung. Menschen, bei denen der Arzt eine Suizidgefährdung annimmt, müssen deshalb von Anfang an engmaschig ärztlich überwacht werden oder brauchen eine sedierende Begleitmedikation, damit sie nicht in dieser Wirkphase des Medikaments die Energie finden, ihrem Leben ein Ende zu setzen.
Diese Gefahr trifft besonders Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum 25. Lebensjahr. Warum? Es scheint zum einen an einer Unreife des Gehirns zu liegen, das erst mit etwa 25 Jahren voll ausgereift ist. Davor befindet sich das Areal, das für rationale Entscheidungen, für Impulskontrolle und Gefühlsregulierung zuständig ist, noch im Umbau. Es ist biochemisch instabiler als bei Erwachsenen. Zudem reagiert das Gehirn junger Menschen zu Anfang anders auf den Neurotransmitter-Überschuss im synaptischen Spalt. Statt dass nur die Stimmung steigt, verfallen junge Menschen eher in Angstzustände, Agitiertheit und suizidale Gedanken.
Mitunter stimmt auch die Diagnose »Depression« nicht. Bei jungen Menschen kann sie nämlich auch der erste Schub einer bipolaren Störung sein, also einer Erkrankung, in der sich Depression und Manie schubweise abwechseln. Bekommen Betroffene dann ein SSRI oder ein SNRI, kann das eingesetzte Medikament einen »Switch« auslösen, einen Umschwung, gekennzeichnet durch einen hochexplosiven Zustand aus tiefem Schmerz und massiver innerer Getriebenheit.
Wenn eine PTA den Verdacht hat, ein Patient sei akut suizidgefährdet, muss sie sofort und strukturiert handeln. Hilfe bieten der offizielle Gesprächsleitfaden »Suizidale Menschen in der Apotheke« der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und des Nationalen Suizidpräventionsprogramms.
Haben Sie das Gefühl, dass Sie nicht mehr weiterleben möchten, oder denken Sie daran, Ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen? Reden hilft und entlastet. Die Telefonseelsorge hat langjährige Erfahrung in der Beratung von Menschen in suizidalen Krisen und bietet Ihnen Hilfe und Beratung rund um die Uhr am Telefon (kostenfrei) sowie online per Mail und Chat an. Rufen Sie an unter den Telefonnummern 0800 1110111 und 0800 1110222 oder melden Sie sich unter www.telefonseelsorge.de. Die Beratung erfolgt anonym.