Trotz der Nachteile hätten die Wearables aber einen Vorteil, sagte Weeß: »Sie machen auf die Bedeutung des Schlafs für die Gesundheit aufmerksam.« In unserer Gesellschaft werde der Schlaf häufig zu wenig geschätzt, was sich an Bezeichnungen wie Schnarchnase und Schlafmütze zeige.
Der Experte hofft, dass Medizintechnikfirmen in Zukunft zuverlässige, validierte Schlaftracker entwickeln. »Davon wird die Schlafmedizin nicht unwesentlich profitieren.«
Interesse am eigenen Schlaf ist das eine, Probleme mit dem Schlaf das andere. Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie) zählen zu den häufigsten Erkrankungen. Zwischen 6 und 10 Prozent der Bevölkerung leiden unter einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung. Laut einer aktuellen Analyse des Robert-Koch-Instituts geben 35 Prozent der Erwachsenen an, Probleme mit dem Schlaf zu haben. Die Hälfte der Betroffenen leidet länger als drei Jahre unter entsprechenden Problemen.
»Das sind keine Bagatellerkrankungen«, sagte Weeß. Ein bis zwei Millionen Menschen in Deutschland nähmen Schlafmittel ein. Bei dem hohen Leidensdruck sei es verständlich, dass der Markt für Schlaftracker, Einschlafhilfen oder »Sleep Hacks« boomt, berichtete der Somnologe. Milliarden würden für technische Einschlafhilfen ausgegeben.
Zu den Gadgets, die für einen besseren Schlaf sorgen sollen, gehören unter anderem Kuschel-Schlafroboter, die synchron mit den Schlafenden atmen, Gewichtsdecken (Therapiedecken), die mit einem Gewicht von 4 bis 14 kg Angst und Stress beim Schlafenden reduzieren sollen, sowie Lichtmetronome oder Lichtwecker. Allerdings sind die wenigsten dieser Hilfsmittel wissenschaftlich erprobt und in ihrer Wirksamkeit überprüft.
»Viele Menschen sind nach dem Kauf enttäuscht«, sagte Weeß. Bei anhaltenden Schlafproblemen (mehr als ein Monat) ist es ratsam, die Beschwerden ärztlich abklären zu lassen, vor allem wenn Symptome wie extreme Tagesmüdigkeit, ungewolltes Einnicken, lautes Schnarchen in Kombination mit Atempausen oder Herzrasen beim Aufwachen auftreten.