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Schlaflos durch die Nacht
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Wie Menschen wieder Ruhe finden

Nachts nicht ein- oder durchschlafen können, morgens um 4 Uhr wach werden – das ist ein Albtraum, wenn es zur Regel wird. Mehr Frauen als Männer sind betroffen. Dabei spielen auch die Wechseljahre eine wichtige Rolle.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 10.04.2026  16:00 Uhr

Manchmal durch Medikamente

Unabhängig vom Geschlecht erkranken mit zunehmendem Lebensalter immer mehr Menschen chronisch und legen an Gewicht zu. Krankheiten, die den Schlaf stören können, sind unter anderem Diabetes, Adipositas, ein hoher Blutdruck oder ein Restless-Legs-Syndrom. Dagegen brauchen Betroffene meist Medikamente – und auch diese können den Schlaf weiter verschlechtern.

Gegen hohe Blutzuckerwerte eingesetztes Insulin sowie auch manche oralen Antidiabetika bringen das Risiko von Unterzuckerungen mit sich. Bei sehr tiefen Blutzuckerwerten wachen Menschen meistens schweißgebadet und zittrig auf. Bis der Unterzucker durch Traubenzucker behoben ist, die Zähne geputzt wurden und der Mensch wieder im Bett liegt, vergeht Zeit. Oft schläft man dann nicht direkt wieder ein.

Manche Diabetes-Medikamente steigern zudem das Risiko für Schlafstörungen. GLP-1-Agonisten, die Abnehmspritzen, können Schlaf zwar indirekt fördern, indem durch die Gewichtsabnahme eine Schlafapnoe nachlässt, manche Patienten berichten aber von Schlafstörungen. Bei den Medikamenten gegen hohen Blutdruck sind es die lipophilen Betablocker wie Metoprolol und Propranolol, die Schlaflosigkeit, Alpträume und häufiges nächtliches Erwachen induzieren können. Bei abends eingenommenen Diuretika raubt der Harndrang den Schlaf. 

Medikamente der folgenden Gruppen können ebenfalls den Schlaf stören: 

  • Antiasthmatika
  • Antibiotika
  • Anticholinergika
  • Antidepressiva
  • Antihypertensiva
  • Antikonvulsiva
  • Glucocorticoide
  • Orale Kontrazeptiva
  • Schilddrüsenpräparate

Besteht der Verdacht, dass eine Schlafstörung mit der Einnahme oder der Aufdosierung eines Medikaments begonnen hat, können PTA die Plausibilität eines Zusammenhangs ausloten und abhängig vom Ergebnis darauf hinweisen und selbstverständlich darauf, dass ein Absetzen oder eine Dosisreduktion nur nach Rücksprache des Patienten mit dem Arzt möglich ist.

Medikamente gegen Insomnie nicht auf Dauer

Leidet ein Erwachsener unter einer Schlafstörung und der Arzt konnte behandelbare körperliche oder psychiatrische Ursachen ausschließen, dann nennt die Leitlinie »Insomnie bei Erwachsenen« nach der ersten Maßnahme der oben beschriebenen KVT-I folgende Medikamente:

  • Für eine Kurzzeitintervention von weniger als vier Wochen nennen die Autoren der Leitlinie bei akuter Insomnie Benzodiazepine und Benzodiazepin-Agonisten. Zur Langzeitbehandlung sollen diese Medikamente nicht empfohlen werden. Gerade bei alten Menschen ist Vorsicht geboten, weil unter anderem die Sturzgefahr steigen kann. Dennoch kennt man in jeder Apotheke alte Menschen, die seit Jahren »ihr« Zolpidem oder Zopiclon bekommen und jeden Abend eine halbe Tablette einnehmen. Oft handelt es sich um eine Low-Dose-Abhängigkeit, das heißt, die Menschen müssen die Dosis nicht steigern, entwickeln aber Unruhe, Angst und Schlafstörungen, wenn sie das Mittel abrupt weglassen. Wenn es der behandelnde Arzt für notwendig erachtet, schleicht er das Mittel kontrolliert aus. 
  • Als Off-Label-Use bei der Insomnie zeigen sich laut Leitlinie die sedierenden Antidepressiva Doxepin und Trazodon wirksam. Natürlich nur, wenn Kontraindikationen, Nebenwirkungen und Risiken beachtet werden. Auch diese Medikamente eignen sich nicht für den Dauergebrauch, es sei denn, die Patienten leiden zudem an einer Erkrankung, für die die beiden Medikamente eine Zulassung haben. Antipsychotika sollen bei Schlafstörungen nicht eingesetzt werden, wenn der Patient keine psychiatrische Erkrankung hat.
  • Ebenfalls effektiv wirken Orexin-Rezeptor-Antagonisten, die jedoch keinesfalls länger als ein Jahr eingesetzt werden sollen. Sedierende Antihistaminika empfehlen die Leitlinienautoren nicht, beim Einsatz von Phytopharmaka erfolgt ebenfalls keine klare Empfehlung. Im Apothekenalltag kennt man allerdings Menschen, die mit den genannten Optionen besseren Schlaf zu finden scheinen. Bei Phytopharmaka wie Baldrian stellt sich ein möglicher Effekt frühestens nach einer kontinuierlichen Einnahme über zwei bis vier Wochen ein. Lavendelöl kann über seine angstlösenden Eigenschaften Schlaf fördern. Johanniskraut kann unter Umständen aufgrund seines Einsatzes bei Depressionen über diesen Effekt auch den Schlaf verbessern. Passionsblume, Melisse und Hopfen kommen zumeist kombiniert zum Einsatz.
  • Melatonin stufen die Autoren der Leitlinie als effektiv in der Behandlung der Insomnie bei Menschen ab dem 55. Lebensjahr ein. Von einem Dauereinsatz raten sie auch hier ab. Für PTA ist wichtig, was man unter einer Langzeitbehandlung versteht. In der Regel geht es dabei um alles, was über einen Zeitraum von drei Monaten hinausgeht.
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