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Neid als Wegweiser
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Wie Sie das Gefühl konstruktiv für sich nutzen

Neid bewerten wir meist negativ. Doch er kann uns auch helfen: Psychotherapeut Wolfgang Krüger erklärt, wie das Gefühl als Wegweiser zu eigenen Zielen dient und warum Verdrängen keine Lösung ist.
AutorKontaktdpa
Datum 22.05.2026  14:00 Uhr
Wie Sie das Gefühl konstruktiv für sich nutzen

Neid hat keinen guten Ruf. Geläufigen Redewendungen zufolge soll er sogar blind oder gar hässlich machen und im christlichen Glauben zählt er zu den sieben Todsünden. Viele schämen sich daher für das Gefühl und verdrängen es. Dabei stecke im Neid viel positive Kraft, sagt der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger, der ein Buch zum Thema geschrieben hat.

»Neid begleitet unser Leben in all den Dingen, die uns wichtig sind«, so Krüger. Ob der Neid auf eine andere Frau, die gerade Mutter geworden ist, oder auf den Kollegen, der Erfolg hat. »Neid macht uns darauf aufmerksam, was wir eigentlich im Leben erreichen wollen.« Womöglich erkennen wir erst durch dieses stechende, kränkende Gefühl, was wir uns selbst wünschen. Krüger zufolge hat Neid daher immer auch eine Orientierungsfunktion.

Wie man besser nicht mit Neid umgeht

Wie auch bei anderen unangenehmen Gefühlen gilt: Neid verdrängen ist keine gute Idee. »Wenn wir ungeliebte Affekte verdrängen, schwächt uns das«, sagt Krüger. In Belastungssituationen werde man dadurch sogar anfälliger für Ängste und Depressionen.

Ein Impuls bei aufkommendem Neid ist es, die andere Person abzuwerten: So toll ist es ja gar nicht, was sie erreicht hat! Mir ist das gar nicht wichtig! Krüger sieht darin eine Gefahr: »Dann habe ich zwar weniger Neidgefühle, aber habe auch die potenzielle Bewunderung, die möglich wäre, zerstört«.

Neid in Ansporn verwandeln

Nicht umsonst heißt es, dass Neid die aufrichtigste Form der Anerkennung ist. Ob man im klassischen Sinne neidet und die andere Person abwertet oder den Neid — im Gegenteil — positiv nutzen kann, hängt laut Krüger ganz maßgeblich von zwei Fähigkeiten ab.

  • Die erste Fähigkeit ist ein gewisser Lebensmut, also das Selbstbewusstsein, dass man sich zutraut, das Beneidete selbst zu erreichen.
  • Die zweite Fähigkeit: Geduld und Ausdauer. »Dass ich die vielen kleinen Schritte auch bereit bin zu gehen«, so Krüger.

Wer diese Eigenschaften mitbringt, kann Menschen, auf die er neidisch ist, als Vorbilder sehen. Und als potenzielle Unterstützung. »Dann sind Sie in der Lage, sich etwas von anderen Leuten abzugucken und auch direkt zu fragen: Wie macht ihr das?«, sagt Krüger.

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