Bauchgefühl und Intuition haben nichts mit Magie, Esoterik oder gar göttlicher Eingebung zu tun. / © Adobe Stock/Dragana Gordic
»Intuition ist unbewusste Intelligenz«, sagt der Psychologe und Autor Professor Gerd Gigerenzer, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Es sei gefühltes Wissen, das auf langjähriger Erfahrung beruhe und das man nicht begründen könne. Mit Magie, Esoterik oder gar göttlicher Eingebung hat es entsprechend nichts zu tun. Und auch nicht mit einem angeblich weiblichen Instinkt: »Auch Männer verlassen sich bei einer Entscheidung oft auf ihr Bauchgefühl«, stellt Gigerenzer klar.
»Bei Intuition läuft im Gehirn ein hochkomplexer Informationsverarbeitungsprozess ab, der unbewusst erfolgt«, sagt der Neurowissenschaftler und Autor Henning Beck. In Windeseile gleicht das Gehirn eine aktuelle Situation mit gespeicherten Erfahrungen ab: Wie lief das damals? Wie ähnlich ist die Lage heute?
Noch bevor eine Entscheidung bewusst wird, hat das Gehirn schon bewertet, ob es eine positive Situation nutzen oder eine negative Situation vermeiden will. »Erst wird intuitiv eingeordnet, dann rational begründet«, so Beck. Das Bauchgefühl sei die emotionale Vorstufe unserer bewussten Entscheidungsprozesse.
Nein – auch wenn das viele glauben. »Bauchgefühl und Ratio sind kein Widerspruch, im Idealfall ergänzen sie sich«, sagt Gigerenzer. Ein Beispiel aus der Medizin: Ein erfahrener Hausarzt untersucht eine Patientin, die er seit Jahren kennt. Äußerlich wirkt sie gesund. Und doch beschleicht ihn ein Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Er ordnet eine Blutuntersuchung an – und tatsächlich: Die Nierenwerte sind erhöht. Der Arzt hat seiner Intuition vertraut und sie anschließend rational überprüft.
Das hängt vor allem von Erfahrung ab. »Entscheidungen nach dem Bauchgefühl gelingen am besten, wenn man sich gut mit einer Sache auskennt«, sagt Beck. Wer viele Jahre in einem Beruf gearbeitet hat, kann bei anstehenden Entscheidungen intuitiv handeln, indem er oder sie den bestehenden Erfahrungsschatz abruft. Eine erfahrene Tennisspielerin trifft ihre Entscheidung über die Schlagrichtung in Sekundenbruchteilen – weil sie in jahrelangem Training unzählige ähnliche Situationen verarbeitet hat.
»In vertrauten Situationen ist die erste Eingebung oft die beste«, sagt Gigerenzer. Rund 50 Prozent aller Entscheidungen treffen Menschen ihm zufolge intuitiv. Übermäßiges Nachdenken könne dabei sogar zu schlechteren Ergebnissen führen. »Man kann der Intuition trauen, wenn sie sich als ruhiges, klares Gefühl der Gewissheit äußert«, sagt Beck.