| Isabel Weinert |
| 30.07.2026 12:00 Uhr |
Fällt einem Menschen mit Diabetes das Treppensteigen schwer, kann eine Myopathie dahinterstecken. / © Adobe Stock/Siam
Bei einer diabetischen Myopathie schädigen verschiedene Mechanismen die Skelettmuskulatur. An erster Stelle stehen über einen längeren Zeitraum (immer wieder) erhöhte Blutzuckerwerte. Sie verursachen die Bildung von Advanced Glycation End Products (AGEs) in hoher Konzentation. Diese verändern die Strukturproteine der Muskulatur und fördern entzündliche Prozesse. AGEs plus hohe Blutzuckerwerte fördern wiederum nachweislich mehr freie Sauerstoffradikale im Organismus, die sogenannten Reactive Oxygen Species (ROS). Zu diesem Prozess tragen auch die mitochondriale Überlastung bei und die Selbst-Oxidation von Glucose. Neben den Proteinen werden Zellmembranen und die mitochondriale DNA geschädigt. Weil die geschwächten Mitochondrien weniger ATP produzieren können, mangelt es den Muskelzellen an Energie. Das ist aber nicht alles. Katabole, also abbauende Systeme, werden stärker aktiviert, das Eiweiß in der Muskulatur damit vermehrt abgebaut. Das i-Tüpfelchen setzt dem pathophysiologischen Geschehen eine im Vergleich mit gesunden Menschen schwächere Mikrozirkulation auf.
Hauptsymptom ist eine symmetrische Muskelschwäche vor allem der Oberschenkel und der Hüfte. Es kann Betroffenen dann schwerer fallen, Treppen zu erklimmen, aus dem Sitzen aufzustehen oder längere Wege am Stück zu gehen. Oft nimmt auch die Muskelmasse ab, der Mensch ermüdet dann schneller. Mitunter treten Muskelkrämpfe auf und Muskelschmerzen. Schreitet die Erkrankung voran, steigt die Sturzgefahr. Besonders kritisch ist das bei älteren Menschen mit einem Typ-2-Diabetes, die ohnehin schon aufgrund ihres Alters fortschreitend an Muskelmasse, Muskelkraft und -funktion verlieren.
Allerdings unterscheidet sich die diabetische Myopathie von der diabbetischen Neuropathie in ihrer möglichen Rückbildungstendenz. Während bei der Neuropathie zu Beginn noch Spielraum vorhanden ist, wenn man die Blutzuckereinstellung normalisiert, irgendwann aber ein »Point of no return« kommt, ab dem sich die Situation nicht mehr bessert, stehen die Chancen dafür bei der Myopathie besser.
Ganz vorne kommt es auch bei der Myopathie auf eine optimale Einstellung des Blutzuckers an. Direkt an zweiter Stelle kommt ein regelmäßiges progressives Krafttraining, also eines, bei dem die Trainingsbelastung schrittweise erhöht wird, um die Muskeln zum Wachsen anzuregen und Kraft zu gewinnen. Das hat auch noch einen weiteren Vorteil: Je mehr Muskeln, desto besser die Insulinsensitivität. Dazu sollte ein Ausdauertraining kommen, weil das die Mitochondrien stärkt.