| Isabel Weinert |
| 02.06.2026 16:00 Uhr |
Diabetologen, die einen entsprechenden Verdacht hegen, besprechen mit ihren davon betroffenen Patienten, ob ihr Insulinbedarf um mehr als 0,5 bis 1,0 IE. pro Kilogramm Körpergewicht gestiegen ist. Sie untersuchen auf die Merkmale des Metabolischen Syndroms (Übergewicht, hoher Blutdruck, gestörter Fettstoffwechsel). Ein oraler Glucosetoleranztest (oGTT), wie man ihn gemeinhin bei Verdacht auf einen Typ-2-Diabetes bei ansonsten gesunden Menschen durchführt, klappt bei jenen mit Typ-1-Diabetes nicht. Bei ihnen könnten sich dadurch gefährliche Überzuckerungen entwickeln. Der sogenannte C-Peptid-Test eignet sich ebenfalls nicht, weil bei Typ-1-Diabetes die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produziert.
Wie geht es weiter, wenn sich der Verdacht auf einen Double Diabetes erhärtet hat? Zunächst sollen, wie bei Menschen ohne Typ-1-Diabete auch, Änderungen des Lebensstils im Vordergrund stehen, verbunden mit einer konsequenten Reduktion des Gewichts. Wenn das konventionell scheitert, setzen Mediziner Metformin ein, SGLT-2-Hemmer und auch Semaglutid als Add-on-Therapie bringt deutliche Erfolge. Ganz wesentlich: Bei allen das Gewicht und/oder den Blutzucker senkenden Maßnahmen bei Typ-1-Diabetes müssen Arzt und Patient genauestens besprechen und überwachen, inwieweit die Insulindosis gesenkt werden muss.
Eine Gruppe von Typ-1-Diabetikerinnen muss ganz besonders aufpassen, ob sich bei ihnen auch noch eine Insulinresistenz entwickelt – diejenigen Frauen in und nach den Wechseljahren. Die hormonellen Veränderungen und diejenigen von Fett und Muskulatur lassen die Zellen nicht mehr so gut auf Insulin ansprechen. Da ist zum einen der deutlich sinkende Estrogenspiegel. Estrogen fördert die Insulinsensitivität der Zellen. Fehlt immer mehr davon, reagieren die Zellen immer träger. Außerdem bildet sich bei vielen Frauen in dieser Zeit vermehrt Bauchfett und damit oft auch mehr des stoffwechselaktiven, viszeralen Fetts. Es schüttet Botenstoffe aus, die Entzündung fördern und so die Insulinsensitivität senken. Nicht zuletzt spielt auch der Verlust an Muskelmasse eine wichtige Rolle. Denn dadurch sinkt der Grundumsatz. Viele Frauen legen in dieser Lebensphase an Gewicht zu – die Empfindlichkeit der Zellen auf Insulin nimmt auch deshalb ab.
Aus genannten Gründen kann eine Hormonersatztherapie (HRT) dazu beitragen, die Insulinempfindlichkeit auf das zugeführte Insulin wieder zu steigern. Das Estrogen wirkt sich außerdem eher positiv auf den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel aus. Als besonders günstig gilt die transdermale Applikation. Allerdings ist Double Diabetes keine zugelassene Indikation für eine HRT. Ob sie im Einzelfall helfen könnte, müssen Arzt und Patientin gemeinsam ausloten.
Für eine HRT bei Typ-1-Diabetes spricht auch der Schutz vor Osteoporose, denn die Gefahr, eine solche zu entwickeln, ist bei Typ-1-Diabetikerinnen gegenüber stoffwechselgesunden Frauen erhöht. Weil – vor allem eine orale – Estrogeneinnahme das Thromboserisiko erhöhen kann, muss man Nutzen und Risiken besonders bei Typ-1-Diabetikerinnen abwägen, denn der Diabetes schädigt ohnehin schon das Herz-Kreislauf-System. Natürlich gelten auch für Typ-1-Diabetikerinnen die allgemeinen Kontraindikationen einer HRT.