Adipositas gilt als chronische Erkrankung. Während Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen klar über den BMI definiert sind, gestalten sich die Grenzen bei Kindern und Jugendlichen durch das Wachstum und die Veränderung der Körperzusammensetzung flexibler. Bei Kindern und Jugendlichen wird der BMI anhand alters- und geschlechtsspezifischer Perzentilen eingeordnet. Nach den in Deutschland verwendeten Grenzwerten gilt:
Kinder mit Adipositas sollen möglichst anhand eines multimodalen Programms behandelt werden. Dieses besteht aus den Komponenten Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie. Laut der S3-Leitlinie zur Therapie und Prävention von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen aus dem Jahr 2019 sollte der Zugang zu einem kombinierten interdisziplinären Therapieprogramm jedem Kind oder Jugendlichen (5 bis 17 Jahre) mit Adipositas und jedem Kind oder Jugendlichen mit Übergewicht, bei dem eine bedeutsame Komorbidität oder eine familiäre Risikokonstellation vorliegt, ermöglicht werden. In Ausnahmefällen empfiehlt die Leitlinie bei Heranwachsenden mit extremer Adipositas auch einen chirurgischen Eingriff, beispielsweise in Form eines Magenbandes oder Schlauchmagens.
Im Mai 2026 haben die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sowie die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) ihre S3-Leitlinie vorzeitig aktualisiert. »Seit der letzten Leitlinienversion hat sich die Evidenz zur medikamentösen Therapie der Adipositas im Kindes- und Jugendalter grundlegend weiterentwickelt«, erklärt der Leitlinienkoordinator Professor Dr. Martin Wabitsch vom Universitätsklinikum Ulm in einer Pressemitteilung.
Mehrere hochwertige Studien zeigen inzwischen, dass GLP-1-Rezeptoragonisten bei jungen Menschen mit Adipositas klinisch relevante Effekte auf Gewicht und Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erzielen. Da diese Medikamente inzwischen auch für Jugendliche zugelassen sind, wäre ein Warten Wabitsch zufolge fachlich nicht vertretbar.
Die neuen Empfehlungen in der Konsultationsfassung besagen, dass
Da die medikamentöse Gewichtsregulation aufgrund des sogenannten »Lifestyle-Paragraphen« derzeit noch von der Regelversorgung ausgeschlossen ist und Anträge auf Kostenübernahme häufig abgelehnt werden, bekommen Kinder und Jugendliche hierzulande allerdings noch selten GLP-1-Rezeptoragonisten. Die komplette Aktualisierung der Leitlinie ist für 2027 vorgesehen.