Viele Jugendliche schauen ängstlich in die Zukunft. / © Getty Images/Elva Etienne
»Globale Krisen, Klimawandel oder wirtschaftliche Unsicherheit wirken wie permanenter Stress im Hintergrund, zusätzlich zu dem aktuellen Stress im Alltag«, sagt der Psychologe und Coach René Träder. Zukunftsängste seien daher auch kein Zeichen von Schwäche. Vielmehr seien sie angesichts der aktuellen Lage nachvollziehbar.
Eine Rolle spiele dabei, dass ein Einzelner auf Kriege und Krisen in aller Regel keinen oder nur geringen Einfluss hat. »Das erzeugt ein Grundgefühl von Anspannung«, sagt die Psychologin und Buch-Autorin Pauline Stockmann. Hinzu kommt oft ein Gefühl von Unkontrollierbarkeit. Denn eine einzelne Person hat es nicht in der Hand, ob und wann etwa Krisen enden.
Hinzu kommt: »Übergangsphasen im jungen Erwachsenenalter sind immer sensibel, egal, ob es einen allgemeinen Krisenmodus gibt oder nicht«, sagt Stockmann. Häufig ist die Phase geprägt von Fragen und Entscheidungen mit ungewissem Ausgang: »Finde ich einen adäquaten Job in meiner Heimatstadt?«, »Werde ich genug Geld verdienen?« oder »Werde ich im Alter arm sein?«
Auch Übergänge vom Studium in den Job zum Beispiel können Unsicherheit hervorrufen, »weil man etwas Gewohntes aufgibt und stattdessen etwas macht, das man nicht kennt«, so Stockmann. Müssen zentrale Entscheidungen im eigenen Leben bei weltpolitischer und wirtschaftlicher Instabilität getroffen werden, kann das der Psychologin zufolge ohnehin vorhandene Zukunftsängste verstärken.
Nicht zuletzt spielen soziale Medien eine Rolle. »Soziale Medien und ständige Nachrichten beeinflussen das Gefühl von Unsicherheit maßgeblich«, sagt Stockmann. Oft gehen eine gesunde Distanz und das Gefühl dafür verloren, was eigentlich normal und erreichbar ist. Viele würden zudem eher auf Beiträge klicken, die Negatives erzählen, so Träder. Das könne unter dem Strich zu einer Verzerrung der Realität und somit zu innerer Unsicherheit führen.
Für die Studie »Jugend in Deutschland 2026« wurden circa 2000 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren repräsentativ befragt. »Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der letzten Jahre den jungen Menschen zusetzen – in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit«, so der Studienleiter Simon Schnetzer in einer Mitteilung der beteiligten Universität Potsdam. 49 Prozent der Befragten berichten demnach von Stress, 36 Prozent von Erschöpfung und 29 Prozent geben an, psychologische Unterstützung zu benötigen.