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Neuroleptika
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Anwendung abseits der Psychose

Neuroleptika, oft auch als Antipsychotika bezeichnet, sind vor allem für ihre Anwendung bei psychotischen Erkrankungen wie der Schizophrenie bekannt. Lesen Patienten oder deren Angehörige diese Diagnose im Beipackzettel oder recherchieren im Internet, ist es daher nicht verwunderlich, wenn sie verunsichert sind, wenn ein Neuroleptikum aufgrund einer anderen Erkrankung verordnet wurde.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 06.10.2026  16:00 Uhr
Psychiatrische Symptome bei Demenzpatienten

Psychiatrische Symptome bei Demenzpatienten

Ein weiteres weit verbreitetes Einsatzgebiet von Neuroleptika in der Geriatrie ist die Behandlung von Patienten mit Demenz. Viele entwickeln im Verlauf der Erkrankung psychiatrische Symptome wie ausgeprägte Aggression gegenüber Mitbewohnern oder Pflegenden, Angst- oder Wahnvorstellungen, Halluzinationen, nächtliche Unruhe oder dem Drang zum Weglaufen.

Die aktuelle S3-Leitlinie »Demenzen« der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde von 2026 befürwortet jedoch in erster Linie nicht medikamentöse Interventionen. Eine Pharmakotherapie soll nur in Akutsituationen in Erwägung gezogen werden oder wenn nicht medikamentöse Interventionen ohne Erfolg bleiben und eine Gefährdung der Patienten selbst oder ihrer Pflegenden besteht.

In Notfallsituationen mit massiver Agitiertheit oder Aggression nennen die Leitlinienautoren das oral verabreichte Antipsychotikum Risperidon. Zweite Wahl ist Haloperidol i. m. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die niederpotenten Antipsychotika Melperon und Pipamperon aufgrund der fehlenden anticholinergen Nebenwirkungen als vergleichsweise geeignet in der Geriatrie und Gerontopsychiatrie gelten.

Insgesamt sei die Evidenzlage für die einzelnen Medikamente aufgrund der generell fehlenden Studienlage sowohl für medikamentöse als auch für nicht medikamentöse Interventionen in dieser Situation schwach. Auch für die zeitliche Dauer einer so begonnenen Medikation gebe es kaum belastbare Daten; ein rasches Ausschleichen wird daher empfohlen. Der zurückhaltende Einsatz wird unter anderem mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle, Stürze und einer erhöhten Sterblichkeit begründet.

Für die Therapie von Schlafstörungen bei Patienten mit Demenz geben die Leitlinienautoren keine Empfehlung – auch hier fehlen die entsprechenden klinischen Daten. Melperon oder Pipamperon können jedoch im Rahmen ihrer Zulassung zur Behandlung von Schlafstörungen auch bei Patienten mit Demenz eingesetzt werden, wenngleich hierfür keine demenzspezifische Evidenz vorliegt.

Dennoch ist der Anteil der Antipsychotika-Verordnungen gerade im geriatrischen Bereich nicht unerheblich Im bundesweiten Mittel erhielten 2023 laut Qualitätsatlas Pflege des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) 9,57 Prozent aller Pflegeheimbewohner mit Demenz eine Dauerverordnung von Antipsychotika. Dabei gab es große regionale Unterschiede, von bis zu 18 Prozent.

Als mögliche Ursachen diskutieren Experten unter anderem Personalmangel, einen hohen Betreuungsaufwand bei ausgeprägter Unruhe sowie die begrenzte Verfügbarkeit nicht medikamentöser Maßnahmen. Daten des Instituts für Gesundheitsforschung der Barmer (bifg) zeigen zudem, dass Menschen mit Demenz in häuslicher Pflege deutlich seltener Neuroleptika erhalten als Pflegeheimbewohner. Mehr als 80 Prozent von ihnen bekommen keine entsprechende Verordnung.

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