| Barbara Döring |
| 11.05.2026 08:00 Uhr |
Libido- und Orgasmusstörungen sind auch unter einer antipsychotischen Therapie bei Schizophrenie zu beobachten. Die Nebenwirkungen lassen sich auf Veränderungen des Neurotransmitterhaushalts zurückführen. Durch die Blockade von Dopaminrezeptoren entsteht mitunter ein erhöhter Prolaktinspiegel im Blut, der bei beiden Geschlechtern die Funktion der Gonaden unterdrücken kann. In der Folge sinken Erregbarkeit, Orgasmusfähigkeit und sexuelles Verlangen.
Frauen entwickeln mitunter eine sekundäre Amenorrhö, die Funktion der Eierstöcke kann gestört sein. Ebenso ist in manchen Fällen die Befeuchtung der Vaginalschleimhaut beeinträchtigt. Bei Männern kann es zu einem Mangel an Testosteron kommen. Vor der Verordnung eines Antipsychotikums und während der Therapie den Prolaktinspiegel zu messen, gibt dem Arzt Hinweis darauf, ob eine sexuelle Störung auf die Medikation zurückzuführen ist. Bei Antipsychotika der zweiten Generation treten diese Nebenwirkungen in geringerem Maß auf. Bei Scheidentrockenheit helfen Vaginalcremes und -gele, den Feuchtigkeitsmangel auszugleichen.
Immer wieder gibt es Berichte, dass Bluthochdruck-Medikamente eine erektile Dysfunktion (ED) verursachen können. Vor allem Betablocker und Diuretika stehen unter Verdacht, aber auch für ACE Hemmer, Calciumantagonisten und AT1-Blocker gibt es Hinweise. Neuen Erkenntnissen zufolge scheinen zumindest die meisten Antihypertensiva die männliche Potenz nicht zu gefährden. Diuretika und Alpha-2-Rezeptoragonisten wird ein höheres Risiko zugeschrieben. ACE-Hemmer und AT1-Blocker gelten als weitgehend neutral. ACE-Hemmer könnten für die Erektionsfunktion sogar förderlich sein.
Auch eine Analyse der HOPE-3-Studie, die den Nutzen der Kombination aus dem AT1-Blocker Candesartan und dem Diuretikum Hydrochlorothiazid zur Senkung von kardiovaskulären Ereignissen bei mehr als 12.000 Menschen untersuchte, gelangte zu dieser Erkenntnis. Die Ergebnisse bestätigen die Erfahrung der Mediziner, dass eine Blutdrucksenkung durch Antihypertensiva im Allgemeinen keine Potenzprobleme auslöst, so Professor Dr. Peter Trenkwalder, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga (DHL) in einer Pressemeldung der DHL.
Vielmehr weisen viele Patienten mit Bluthochdruck weitere Risikofaktoren wie erhöhte Cholesterinwerte, gestörten Blutzucker-Stoffwechsel, Übergewicht und/oder Rauchen auf, die zu einer ED beitragen.
Nach Angaben des Zentrums für Erektionsstörungen in Aarau, Schweiz, machen medikamentöse Erektionsstörungen etwa 15 Prozent aller Fälle aus. Die Nebenwirkungen auf Penis und Schwellkörper unterscheiden sich zudem in den Arzneigruppen von Wirkstoff zu Wirkstoff. So scheint der Betablocker Bisoprolol bei erektiler Dysfunktion (ED) weniger geeignet zu sein, unter Nebivolol wurden sogar positive Effekte beobachtet.
Offenbar spielt auch die Erwartung der Patienten eine Rolle, ob sie Probleme beim Sex mit ihrer Medikation in Verbindung bringen. So zeigte eine verblindete Studie, dass jene Patienten, die über Nebenwirkungen wie eine ED informiert waren, häufiger nach der Einnahme von Betablockern über entsprechende Nebenwirkungen berichteten, selbst wenn sie ausschließlich ein Placebo erhielten. Die Beschwerden könnten also allein durch die negative Erwartungshaltung entstanden sein – die Rede ist vom Nocebo-Effekt.
Die Studienlage zu Auswirkungen von Betablockern auf die Erektionsfähigkeit ist uneinheitlich. Heute werden zudem vorwiegend neuere, selektive Betablocker verschrieben, die im Hinblick auf die Erektionsfähigkeit eher neutral sind oder möglicherweise sogar einen positiven Effekt haben. Herzpatienten mit einer ED sollten die Symptome beim Urologen ansprechen. Wenn bei bestehender ED die Einnahme von Betablockern notwendig ist, könnten selektive Betablocker der neueren Generation wie Nebivolol gegenüber nicht selektiven Betablockern bevorzugt werden, erläutert der Kardiologe Privatdozent Dr. Bernhard Haring vom Universitätsklinikum des Saarlandes auf der Website www.herzmedizin.de.