| Verena Schmidt |
| 24.04.2026 08:00 Uhr |
Die beiden Konzepte schließen sich natürlich nicht aus, ganz im Gegenteil. Viele Familien nutzen heute eine Mischform: Das Baby bekommt sowohl Fingerfood als auch Brei. Nach dem Prinzip des »Responsive Feeding« – also eines Fütterns nach Bedarf – orientieren sich die Eltern dabei vor allem an den Bedürfnissen des Kindes. Wichtig ist dabei auch immer: Die Kinder sollen nicht zum Essen gedrängt werden oder durch Ablenkung oder Spielen zum Essen überredet werden. Die Atmosphäre am Familientisch sollte harmonisch und entspannt sein, das Kind soll mit dem Essen positive Erfahrungen verknüpfen.
Laut der oben bereits erwähnten, 2022 aktualisierten S3-Leitlinie zur Allergieprävention sollte die angebotene Beikost eine breite Vielfalt an Nahrungsmitteln umfassen – inklusive Fisch, Milchprodukten und vollständig durcherhitztem Ei. Neben dem Geschmack trainiert diese Vielfalt auch das Immunsystem: Säuglinge, die mit dem Start der Beikost auch allergene Nahrungsmittel wie Erdnuss (als Mus!) und Ei essen, entwickeln seltener eine Allergie. Das zeigt unter anderem eine australische Studie mit mehr als 1000 Babys, die alle ein erhöhtes Allergierisiko hatten – etwa, weil nahe Verwandte Nahrungsmittelallergiker sind.
Die Kinder, die früh allergieauslösende Lebensmittel bekamen, entwickelten seltener eine Allergie. Zum Beispiel: 3 Prozent der früh mit Ei gefütterten Kinder entwickelten eine Eiallergie – in der Kontrollgruppe waren es dagegen 12 Prozent. Bei der Erdnussallergie lag der Anteil bei den früh eingeführten Kindern bei 1 Prozent, bei den Kindern, die erst später Erdnüsse bekamen, bei 6 Prozent. Auch bei der Kuhmilchallergie zeigte sich in der Studie ein positiver Effekt, dieser war allerdings etwas schwächer ausgeprägt.
Für Babys ist eine ausreichende Jodversorgung besonders wichtig, da das Spurenelement essenziell für die geistige und körperliche Entwicklung ist. Im ersten halben Jahr versorgen Muttermilch oder Formula-Nahrung Babys mit Jod. In der darauffolgenden Beikost-Zeit ist es wichtig, dass die Breimahlzeiten genug Jod enthalten.