| Isabel Weinert |
| 02.11.2026 16:00 Uhr |
Bei Selen mündet eine dauerhafte Zufuhr von 300 bis 400 µg pro Tag in eine Selenose, gekennzeichnet durch eine nach Knoblauch riechende Atemluft, durch Haarausfall, brüchige Fingernägel, Gelenkschmerzen und neurologische Symptome. Ohne einen erwiesenen Selenmangel gibt es auch keinen Grund, das Spurenelement regelmäßig zuzuführen, es sei denn, der Mensch leidet an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, an Mukoviszidose, Magersucht oder ist dialysepflichtig. Für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), eine Höchstmenge von 45 µg Selen pro Tag nicht zu überschreiten.
Das Argument einiger Hersteller und Vertriebler von Nahrungsergänzungsmitteln, die Böden in Deutschland seien mittlerweile zu arm an Selen, sodass es einer zusätzlichen Zufuhr bedürfe, entkräftet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einem FAQ, in dem es zusammenfasst, dass eine ausgewogene Mischkost ausreicht, um den Bedarf an diesem essenziellen Spurenelement zu decken. Denn in Europa darf Selen Futtermitteln für Tiere zugesetzt werden, »sodass tierische Produkte wie Fleisch und Eier hierzulande bedeutendere Selenlieferanten sind als pflanzliche«, schreibt das BfR. Eine abwechslungsreiche Ernährung sorge für die richtige Menge an Selen. Doch wer ernähre sich schon ausgewogen, werfen Menschen ein, die ihre Nahrungsergänzungsmittel rund um Selen vertreiben möchten. Ja, es gibt tatsächlich Ausnahmen, die Mangelzustände begünstigen. Dazu zählen eine einseitige und betont häufige Fast-Food-Kost, eine Fehl- und Mangelernährung im Alter sowie längere einseitige Diäten.
Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, können ihren Selenbedarf mit dem Essen decken, wenn sie bewusst darauf achten, selenreiche Nahrungsmittel auf den Speiseplan zu setzen. Dazu zählen Kohl- und Zwiebelgemüse, Spargel und Hülsenfrüchte, aber auch Vollkorngetreide und Haferflocken. Denn Selen landet auch deshalb aus Böden im Getreide und schließlich auf Tellern der Menschen in Deutschland, weil sehr viel des Getreides aus Ländern mit selenreichen Böden nach Deutschland importiert wird.
Unter den tierischen Nahrungsmitteln zählen zum Beispiel Hühnereier, Milchprodukte sowie Fleisch und Geflügel zu den guten Selenquellen. Für die tägliche Zufuhr von Selen empfiehlt die DGE für Frauen 60 µg, Männer decken ihren Bedarf mit 70 µg pro Tag, Schwangere brauchen 75 µg.
Paranüsse, die sehr viel Selen enthalten, dürfen keine ständige Quelle der Zufuhr sein, denn sie reichern radioaktives Radium aus dem Boden an. Das Bundesamt für Strahlenschutz nennt deshalb zwei Nüsse pro Tag als Obergrenze. Zudem enthalten sie häufiger nicht sichtbaren Schimmel.