| Verena Schmidt |
| 07.05.2026 12:00 Uhr |
Durch erhöhte Östrogenspiegel haben Schwangere ein größeres Risiko für Vaginalmykosen. Bei Verdacht auf Scheidenpilz gehören sie grundsätzlich in die Hände des Gynäkologen. Sie werden aber in der Regel auch mit Clotrimazol behandelt. Laut Leitlinie sollten Schwangere insbesondere im ersten Trimenon mit lokalem Clotrimazol behandelt werden, um das Risiko für fetale Fehlbildungen und einen Frühabort zu vermeiden. Auch bei fortgeschrittener Schwangerschaft ist eine Behandlung wichtig, denn bei vaginaler Geburt kann sich das Neugeborene infizieren. Möglich sind dann Infektionen wie Windeldermatitis oder Mundsoor. Die PTA sollte Schwangere darauf hinweisen, Vaginaltabletten immer mit der Hand, nicht mit den beigefügten Applikatoren einzuführen.
Bei drei bis vier Vaginalpilz-Episoden pro Jahr handelt es sich um eine chronisch-rezidivierende Vulvovaginalkandidose (CRVVK). Ist Candida albicans der Erreger, können die Betroffenen oral mit Fluconazol behandelt werden. Dann ist etwas Geduld gefragt: Die Therapie dauert mindestens sechs Monate, danach sind aber etwa 85 Prozent der Patientinnen pilzfrei. Ein Risikofaktor für die Entwicklung einer CRVVK sind orogenitale Sexualkontakte.
Den Partner mitzubehandeln, ist standardmäßig übrigens nicht nötig, sondern nur, wenn er auch Beschwerden hat. Scheidenpilz ist keine Geschlechtskrankheit: Der Pilz kann zwar sexuell übertragen werden, muss aber keine Infektion auslösen.
Nein, das ist ein hartnäckiger Mythos. Sich direkt mit Scheidenpilz auf einer öffentlichen Toilette oder im Schwimmbad anzustecken, ist nahezu unmöglich. Toilettenbrillen bieten keine guten Überlebensbedingungen für Pilze, und auch im Chlor-haltigen Schwimmbadwasser haben sie keine Chance. Aber: Schwimmbadbesuche können durchaus eine Infektion begünstigen, denn das Chlor kann die Bakterienflora der Scheide angreifen und den pH-Wert verändern. Das kann das Wachstum bereits vorhandener Pilze fördern. Außerdem kann das Tragen nasser Badekleidung über längere Zeit ein feucht-warmes Milieu schaffen – ideal für Pilzsporen.
Beruhigend für die Kundin: Mangelnde Hygiene ist nicht Ursache der Pilzinfektion. Im Gegenteil können eine falsche oder übertriebene Intimhygiene die körpereigene Schutzbarriere schädigen. Im Normalfall reicht es, die Vagina mit Wasser zu reinigen, spezielle Intimreinigungslotionen sind nur in Ausnahmefällen notwendig.
Damit eine Pilzinfektion schnell ausheilt beziehungsweise gar nicht erst auftritt, ist es ratsam, ein feuchtwarmes Milieu im Intimbereich zu vermeiden. Hygieneartikel wie Binden und Tampons sollten regelmäßig gewechselt werden, luftdurchlässige Slipeinlagen sollten bevorzugt werden. Auf eng anliegende synthetische Unterwäsche sollten Frauen besser verzichten.
Nach dem Toilettengang heißt es: Immer von vorne nach hinten abwischen, um das Eintragen des Erregers zu vermeiden. Waschlappen sollten bei akuter Infektion täglich gewechselt und bei 60 °C gewaschen werden. Bei gestörter Vaginalflora, etwa nach einer Behandlung mit Antibiotika oder bei häufig auftretenden bakteriellen Vaginosen, können PTA eine aufbauende Milchsäurekur (zum Beispiel Kadeflora® Milchsäurekur, Vagisan® ProbioFlora, Döderlein® Vaginalkapseln mit Milchsäurebakterien) empfehlen. Die Lactobazillen sorgen für ein gesundes, saures Scheidenmilieu und schützen vor Infektionen.