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Sexualität
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Die Liebe beleben

Wenn Paare seit Jahr und Tag ein Bett teilen, dann oft nur noch, um nebeneinander die Nachtruhe zu verbringen. Ansonsten herrscht nicht selten Flaute. Experten verraten, wie sich die Lust wieder beleben lässt und was hilft, wenn nicht der Kopf, sondern der Körper nicht mitspielt wie gewünscht.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 08.05.2026  16:00 Uhr

Venöses Problem

Doch nicht immer steckt hinter einer ED eine arterielle Problematik, also eine eingeschränkte Blutzufuhr zum Penis. Weniger bekannt ist laut Diehm, dass auch junge Patienten mit gesunden Arterien von einer ED betroffen sein können. Dabei spielt die venöse Komponente eine Rolle, die dafür verantwortlich ist, dass Blut während der Erektion im Penis bleibt. Anlagebedingt bestehen in diesen Fällen Veränderungen der Venen, die eine Erektion unmöglich machen.

Bereits 17-Jährige können von einer solchen venösen Leckage betroffen sein. Da diese Form der ED praktisch nicht bekannt sei, würde sie häufig psychologisiert. So würde den jungen Patienten nicht selten geraten, erst einmal den Stress des Abiturs hinter sich zu bringen und sich zu entspannen. Betroffene, die oft lange nicht ernst genommen wurden, seien immer wieder dankbar, von der Problematik zu erfahren. Der Hausarzt oder Urologe sei dann der richtige Ansprechpartner.

Der Erfolg einer ED-Behandlung hängt laut Diehm auch davon ab, ob Co-Faktoren wie Prostataprobleme oder Depressionen bestehen oder ob zum Beispiel eine kombinierte Störung von Arterien und Venen vorliegt. Würden alle Patienten zusammengenommen, sei bei 80 Prozent eine Wiederherstellung der Erektion möglich.

Und was können sich Betroffene von L-Arginin versprechen, das zur Verbesserung der Erektion beworben wird? Die Aminosäure wirkt laut Diehm zwar nicht bei schwerer ED. Zur leichten Gefäßerweiterung, etwa nach einem Stent-Eingriff, könne sie jedoch nicht schaden und genutzt werden, um die Erektionsfähigkeit zusätzlich zu stabilisieren. Nach einem Eingriff sind jedoch weiterhin PDE-5-Hemmer erforderlich, um die kleinen Blutgefäße zu entspannen und wieder mehr gemeinsame Intimität zu erfahren.

Rückgang der Hormone

Bei Frauen leidet nicht selten das Liebesleben, wenn der Körper in der Menopause weniger weibliche Sexualhormone produziert. So wird die Scheidenschleimhaut zunehmend dünner, trockener und weniger elastisch. Die Rede ist von vulvovaginaler Atrophie. Brennen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dysparenuie) sind typische Zeichen. Zudem nimmt die Fähigkeit der Vagina ab, während der sexuellen Erregung Sekret zu bilden, sodass die Verletzungsanfälligkeit während des Geschlechtsverkehrs steigt. Die Angst vor Schmerzen lässt die Lust dann nicht selten schwinden.

Die Veränderungen der Schleimhaut betreffen nicht nur die Vagina, sondern auch die Harnröhre, sodass Harndrang und Dranginkontinenz hinzukommen können. Gynäkologen sprechen deshalb auch vom urogenitalen Menopause-Syndrom (Genitourinary Syndrome of Menopause, GSM). Dieses umfasst alle durch den Hormonmangel bedingten Veränderungen im Urogenitalbereich.

Um die Schleimhäute zu erhalten, kann der Gynäkologe Estradiol-haltige Medikamente verschreiben, die in Form von Zäpfchen, Vaginalring, Ovula oder Creme lokal angewendet werden. Gleitgels helfen zudem, die Schleimhäute beim Sex vor Schmerzen und Reizungen zu schützen. Die regelmäßige Anwendung von Pflegecremes lindert zudem Juckreiz oder Wundgefühl der Haut. Frauenärzte empfehlen zudem, ausreichend zu trinken, um die Haut gut mit Feuchtigkeit zu versorgen.

Hält sexuelle Unlust länger als sechs Monate an oder verursacht sie bei der Frau einen hohen Leidensdruck, sprechen Mediziner von HSDD (Hypoactive Sexual Desire Dysfunction). In einer australischen Studie war etwa ein Drittel der Frauen im Alter von 40 bis 65 Jahren davon betroffen. Leidet eine Frau in den Wechseljahren neben dem Libidoverlust auch an Hitzewallungen oder anderen Wechseljahresbeschwerden, kann eine Hormonersatztherapie (HRT) sinnvoll sein.

Bringt die HRT nicht die gewünschte Besserung der Libido, kann laut der S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause off Label transdermales Testosteron zur Anwendung kommen. In Deutschland stehen dafür keine adäquat dosierten Präparate zur Verfügung, sodass die Leitlinie zur Magistralrezeptur rät. Entsprechende Dosierspender enthalten pro Hub 3 mg mikronisiertes Testosteron auf Liposomen-Grundlage. Das Ziel ist, Testosteron-Serumwerte im niedrigen prämenopausalen Bereich zu erreichen. PTA sollten Anwenderinnen darauf aufmerksam machen, während der Behandlung auf Zeichen einer Überdosierung zu achten, wie Wachstum von Bart- oder Brusthaaren (Hirsutismus), Stimmveränderungen, Akne oder eine unerwünscht starke Zunahme des Sexualtriebs.

Medikamente zur Steigerung der Libido vor den Wechseljahren, wie sie in den USA mit den Wirkstoffen Flibanserin und Bremlanotid auf ärztliches Rezept verfügbar sind, haben in Deutschland unter anderem wegen der ungünstigen Nutzen-Risiko-Bewertung keine Zulassung.

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