Forschen Sie nach der Ursache. »Oft steckt Zeitdruck hinter Stress«, sagt Sozialpädagogin Mundt. Wenn es schnell gehen muss, sind alle angespannt. »Nehmen Sie sich deshalb morgens und abends genug Zeit fürs Zähneputzen.«
Manchmal haben die Kinder auch einfach keine Lust oder die Autonomie- oder »Trotzphase« kommt noch on top. Für Eltern ist dann wichtig, konsequent dranzubleiben, auch wenn starke Nerven nötig sind. Zum Machtkampf sollte das Thema Zähneputzen jedoch möglichst nicht werden.
»Versuchen Sie, eine entspannte Situation zu schaffen«, rät Dana Mundt. Das gelingt mit den bereits erwähnten spielerischen Elementen am besten. Tipp außerdem: Beteiligen Sie das Kind, indem es sich etwa eine schöne Zahnbürste selbst aussuchen darf.
»Das ist keine gute Idee«, sagt Kinderzahnärztin Johanna Kant. Ihr Rat: Schauen Sie auch hier, woran es liegen könnte, dass das Kind quengelt. Vielleicht ist der Zeitpunkt ungünstig, weil es schon übermüdet ist? Dann suchen Sie einen anderen, schlägt die Expertin vor.
So könne man beispielsweise nach dem Mittagsschlaf gründlich putzen, sodass die Beläge herunter seien. Dann reiche vor dem Schlafengehen, kurz die Essensreste zu entfernen. Wichtig ist laut der Ärztin, dass zweimal am Tag geputzt wird, am besten morgens und abends. »Wenn die Zähne einmal am Tag richtig sauber werden, kann es das andere Mal auch flott gehen.«
Fixieren die Eltern das Kind, um ihm gegen seinen Willen die Zähne zu putzen, löst diese Überrumpelung beim Kind massiven Stress aus. »Das hilft gar nicht, sondern baut nur Druck auf«, sagt Dana Mundt. »Das Kind erlebt einen Kontrollverlust und verbindet das Putzen mit negativen Gefühlen.« Selbst wenn so ein Durchsetzen Eltern kurzfristig zu helfen scheine, sollten sie bedenken, dass das kein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Kind und Eltern schaffe.
Unter besonderen Umständen kann laut Kinderzahnärztin Johanna Kant unterstützen und halten aber auch hilfreich sein. Etwa in schwierigen Phasen oder auch bei Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS). »Es geht aber nie um ein gewalttätiges Fixieren des Kopfes, sondern um Halt bieten«, sagt sie.
In der Kinderzahnarztpraxis könne genau gezeigt werden, wie man auch unter schwierigen Bedingungen schnell und gründlich putze. »Halten ist manchmal notwendig, aber nicht die Regel«, sagt die Expertin. »Und es sollte niemals mit Stress verbunden sein.«
Seit Anfang 2026 stehen die Z-Untersuchungen mit im sogenannten Gelben Heft. Die erste Untersuchung in der Zahnarztpraxis, die Z1, ist zwischen dem sechsten und neunten Lebensmonat dran. »Da werden vor allem die Eltern gründlich beraten«, sagt Johanna Kant vom Bundesverband der Kinderzahnärzte. Ein kurzer Blick in den Mund der Kleinsten reicht in der Regel erst einmal.
Ein Hintergrund der Z-Untersuchungen: Frühkindliche Karies soll frühzeitig erkannt werden, um rechtzeitig eingreifen zu können. Plus: Die Kinder sollen sich von klein auf an den Zahnarztbesuch gewöhnen und lernen: »Dieser Termin gehört regelmäßig dazu.«
Die Verbandsvorsitzende weiß, dass Kinderzahnärzte diese Termine sehr kinderfreundlich gestalten. Das fängt bei den Kleinsten mit einer Untersuchung in »Hoppe-Reiter-Position« an. »Manche fremdeln noch stark, da unterhalten wir uns erst mit den Eltern und nähern uns dem Kind langsam an«, sagt die Expertin.
Zwei- und Dreijährige können dann schon ihr Stofftier mitbringen oder eine Handpuppe kommt zum Einsatz. »Am Ende bekommen die Kinder ein kleines Plastikspiegelchen für ihren Arztkoffer mit«, berichtet die Ärztin aus ihrer Praxis. »Das Ganze läuft sehr spielerisch ab.«
Nun gibt es nicht überall einen Kinderzahnarzt. Dann ist gut zu wissen: »Jeder Zahnarzt kann ein kleines Kind untersuchen«, sagt Johanna Kant. Sie empfiehlt, dass Eltern bei ihrem eigenen Zahnarzt nachfragen, ob sie auch für ihr kleines Kind einen Termin machen können.