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Neue Leitlinie zum Schilddrüsenkarzinom
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Differenzierte Diagnose, bessere Therapie

Rund 6000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Schilddrüsenkrebs. Die Heilungschancen sind gut. Eine neue Leitlinie deckt erstmals auch die Diagnostik und die nicht operative Behandlung ab – und betont, wie wichtig die Nachsorge ist.
AutorKontaktBarbara Erbe
Datum 18.08.2026  08:00 Uhr
Differenzierte Diagnose, bessere Therapie

Viele Menschen haben den einen oder anderen Knoten in der Schilddrüse. Bei rund 90 Prozent aller Betroffenen sind diese Knoten harmlos – aber eben nicht immer. Deshalb wird das Risiko in der Regel zunächst per Ultraschall abgeklärt. Dabei misst die Ärztin oder der Arzt aus, wie groß die Knoten sind. Vor allem ab einem Durchmesser von mehr als 4 cm ist das Risiko erhöht, dass sie bösartig sind, zumal wenn sie deutlich dunkler aussehen als das sie umgebende Gewebe oder eine unregelmäßige Umrandung haben. Auch kleine Verkalkungen im Knoten kommen eher bei Krebs als bei gutartigen Knoten vor. Knoten, die mit Flüssigkeit gefüllt und also eigentlich Zysten sind, sind dagegen ebenso wie Knoten, die aus vielen kleinen Zysten bestehen und dann wie eine Wabe aussehen, nur sehr selten bösartig.

Die neue Leitlinie zum Schilddrüsenkarzinom, die unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, lege nun einen Schwerpunkt auf eine differenzierte Diagnostik, erläutert Dr. Anke Ernst vom Krebsinformationsdienst (KID) im Gespräch mit PTA-Forum. »Etwa jeder fünfte Erwachsene hat einen oder mehrere Schilddrüsenknoten – aber nur rund 1 Prozent davon ist bösartig. Deshalb ist es wichtig, das Risiko anhand klar definierter Ultraschallkriterien zu bewerten. Die neuen Fachempfehlungen legen nun noch klarer fest, wann Gewebe entnommen werden muss. So vermeiden wir unnötige Eingriffe und erhalten gleichzeitig eine hohe diagnostische Sicherheit.«

Verschiedene Karzinomtypen

Allgemein gehören Schilddrüsenkarzinome in Deutschland zu den seltenen Tumoren. Laut Robert-Koch-Institut erkrankten im Jahr 2022 etwa 6000 Menschen an Schilddrüsenkrebs, Frauen etwas öfter als Männer. Die Prognose ist günstig: Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei über 90 Prozent. Natürlich spielen hier Tumorart und -stadium eine Rolle.

Meistens geht Schilddrüsenkrebs von den Follikelzellen aus – dem häufigsten hormonbildenden Zelltyp in der Schilddrüse. Je nachdem, wie stark sich die Zellen verändern, unterscheiden Fachleute verschiedene Arten von Schilddrüsenkrebs, informiert der KID:

  • Ähneln die Krebszellen unter dem Mikroskop noch stark den normalen Schilddrüsenzellen, liegt ein differenziertes Karzinom vor – dieser Typ kommt am häufigsten vor.
  • Haben die Zellen ihre Ähnlichkeit mit normalen Schilddrüsenzellen komplett verloren und verhalten sie sich auch nicht mehr wie diese, gelten sie als undifferenzierte oder auch anaplastische Karzinome. Das ist sehr selten.
  • Darüber hinaus gibt es sogenannte gering differenzierte Karzinome: Sie liegen von ihrem Aufbau und ihrer Biologie zwischen dem differenzierten und dem anaplastischen Schilddrüsenkarzinom.

In seltenen Fällen geht Schilddrüsenkrebs auch von C-Zellen aus, die das Hormon Calcitonin herstellen, das den Calciumhaushalt reguliert (medulläres Schilddrüsenkarzinom). Es kann nur durch eine Operation geheilt werden, hat aber eine relativ gute Prognose. In der neuen Leitlinie ist der Diagnostik, Behandlung und Nachsorge auch der seltenen Varianten jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet.

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