Ob ein Schilddrüsenknoten womöglich bösartig sein könnte, kann der Arzt anhand verschiedener Kriterien bei der Ultraschalluntersuchung abschätzen. / © Getty Images/Inside Creative House
Viele Menschen haben den einen oder anderen Knoten in der Schilddrüse. Bei rund 90 Prozent aller Betroffenen sind diese Knoten harmlos – aber eben nicht immer. Deshalb wird das Risiko in der Regel zunächst per Ultraschall abgeklärt. Dabei misst die Ärztin oder der Arzt aus, wie groß die Knoten sind. Vor allem ab einem Durchmesser von mehr als 4 cm ist das Risiko erhöht, dass sie bösartig sind, zumal wenn sie deutlich dunkler aussehen als das sie umgebende Gewebe oder eine unregelmäßige Umrandung haben. Auch kleine Verkalkungen im Knoten kommen eher bei Krebs als bei gutartigen Knoten vor. Knoten, die mit Flüssigkeit gefüllt und also eigentlich Zysten sind, sind dagegen ebenso wie Knoten, die aus vielen kleinen Zysten bestehen und dann wie eine Wabe aussehen, nur sehr selten bösartig.
Die neue Leitlinie zum Schilddrüsenkarzinom, die unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, lege nun einen Schwerpunkt auf eine differenzierte Diagnostik, erläutert Dr. Anke Ernst vom Krebsinformationsdienst (KID) im Gespräch mit PTA-Forum. »Etwa jeder fünfte Erwachsene hat einen oder mehrere Schilddrüsenknoten – aber nur rund 1 Prozent davon ist bösartig. Deshalb ist es wichtig, das Risiko anhand klar definierter Ultraschallkriterien zu bewerten. Die neuen Fachempfehlungen legen nun noch klarer fest, wann Gewebe entnommen werden muss. So vermeiden wir unnötige Eingriffe und erhalten gleichzeitig eine hohe diagnostische Sicherheit.«
Allgemein gehören Schilddrüsenkarzinome in Deutschland zu den seltenen Tumoren. Laut Robert-Koch-Institut erkrankten im Jahr 2022 etwa 6000 Menschen an Schilddrüsenkrebs, Frauen etwas öfter als Männer. Die Prognose ist günstig: Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei über 90 Prozent. Natürlich spielen hier Tumorart und -stadium eine Rolle.
Meistens geht Schilddrüsenkrebs von den Follikelzellen aus – dem häufigsten hormonbildenden Zelltyp in der Schilddrüse. Je nachdem, wie stark sich die Zellen verändern, unterscheiden Fachleute verschiedene Arten von Schilddrüsenkrebs, informiert der KID:
In seltenen Fällen geht Schilddrüsenkrebs auch von C-Zellen aus, die das Hormon Calcitonin herstellen, das den Calciumhaushalt reguliert (medulläres Schilddrüsenkarzinom). Es kann nur durch eine Operation geheilt werden, hat aber eine relativ gute Prognose. In der neuen Leitlinie ist der Diagnostik, Behandlung und Nachsorge auch der seltenen Varianten jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet.
Das Risiko für Schilddrüsenkrebs erhöht sich, wenn schon bei nahen Verwandten Schilddrüsenkarzinome aufgetreten sind. Manche Formen von Schilddrüsenkrebs sind durch sogenannte erbliche Tumorsyndrome bedingt. Hierzu gehört vor allem das selten auftretende medulläre Schilddrüsenkarzinom.
Auch frühere Bestrahlungen sind ein bekannter Risikofaktor für Schilddrüsenkrebs. Insbesondere im Kindesalter ist die Schilddrüse strahlenempfindlich. Aber auch die Freisetzung von Strahlung bei Reaktorunfällen wie in Tschernobyl oder Fukushima erhöht beispielsweise das Risiko. Weitere Umweltrisiken sind (noch) nicht sicher belegt. Auch ernährungs- oder lebensstilbezogene Risikofaktoren sind nicht bekannt.
In der Vorgeschichte vieler Patienten finden sich Jodmangel und gutartige Schilddrüsenerkrankungen wie der »Kropf« (Struma) und Adenome. Möglicherweise haben auch manche Hormone einen Einfluss auf Schilddrüsenkrebs.