Bildet ein Knoten Schilddrüsenhormone, spricht man von einem heißen Knoten – wenn nicht, ist es ein kalter Knoten. Ein heißer Knoten ist sehr wahrscheinlich gutartig, ein kalter Knoten kann bösartig sein – muss es aber nicht. Deshalb wird bei einem neu entdeckten Knoten in der Schilddrüse überprüft, ob er Hormone bildet. Dazu sind Bluttests nötig, mit denen die Werte des Hormons TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) und oft auch der Schilddrüsenhormone selbst bestimmt werden.
Deuten die Blutwerte darauf hin, dass zu viele Schilddrüsenhormone gebildet werden, oder zeigt sich im Ultraschall, dass der Knoten größer als 1 cm ist, kommt außerdem eine Szintigrafie infrage. Dabei bekommen Betroffene eine schwach radioaktive Substanz gespritzt, die sich nur in Zellen einlagert, die Schilddrüsenhormone produzieren. Das Gerät kann diese Einlagerung erkennen und als Bild darstellen.
Schließlich gibt auch die körperliche Untersuchung Hinweise darauf, ob ein Karzinom vorliegen könnte oder nicht. Für einen bösartigen Knoten sprechen zum Beispiel vergrößerte, auffällige Lymphknoten im Hals, Schilddrüsenknoten, die tastbar, aber nicht verschiebbar sind, sowie eine Stimmbandlähmung oder heisere Stimme.
Eine weitere Art, zu klären, ob ein Knoten gut- oder bösartig ist, ist die Biopsie, also die Entnahme von Gewebe. Dafür sticht die Ärztin oder der Arzt mit einer sehr dünnen Nadel in den verdächtigen Knoten, um einzelne Zellen anzusaugen (Feinnadelaspirationszytologie), die dann mikroskopisch untersucht werden können.
Wer schon einmal am Hals oder an angrenzenden Bereichen bestrahlt wurde oder generell, etwa durch einen Arbeitsunfall, einer hohen radioaktiven Strahlenbelastung ausgesetzt war, trägt zudem ein erhöhtes Krebsrisiko. Das gilt auch für Menschen mit blutsverwandten Familienmitgliedern, die bösartige Tumoren in der Schilddrüse hatten oder haben.
Wird tatsächlich ein Schilddrüsenkarzinom festgestellt, wurde bisher meist die komplette Schilddrüse entfernt. Die Leitlinie gebe jedoch auch Empfehlungen für Fälle, bei denen das nicht notwendig ist, betont Ernst. »Insgesamt deckt sie jetzt den kompletten Behandlungspfad ab und nicht mehr nur den operativen Bereich – inklusive Behandlung von Rezidiven und Nachsorge.«
So geht es in der neuen Leitlinie auch in einem eigenen Kapitel darum, wann die Radiojodtherapie sinnvoll ist – nämlich immer dann, wenn Schilddrüsenzellen übermäßig aktiv sind (Überfunktion), Jod speichern und zerstört werden sollen. Etwa bei Jodunverträglichkeit, bei bestimmten Knotenarten oder in der Schwangerschaft ist sie dagegen nicht angeraten.
Bei der Behandlung von Schilddrüsenkrebs im Kindes- und Jugendalter empfehlen die Fachgesellschaften die Behandlung in spezialisierten Zentren mit hoher Fallzahl. Das solle durchaus auch für ältere Betroffene geprüft werden, denn der positive Zusammenhang zwischen der Anzahl an durchgeführten Operationen und der Ergebnisqualität sei belegt.
Die Nachsorge schließlich soll über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren stattfinden, vor allem durch die Halssonografie, die in den ersten fünf Jahren alle sechs Monate erfolgen sollte, danach einmal pro Jahr. Eine psychoonkologische Begleitung bei Therapie und Nachsorge hilft dabei, Ängste zu bewältigen und die Lebensqualität zu sichern. Sie wird deshalb auch erstmals in der Leitlinie entsprechend vorgestellt.