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Seelische Belastungen bei Krebs
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»Es gibt in allen Phasen Unterstützung«

Eine Krebserkrankung wirkt sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Psyche aus. Gefühle wie Angst, Wut oder Traurigkeit sind normal; niemand muss damit allein klarkommen – das können PTA auch im Beratungsgespräch gut vermitteln.
AutorKontaktBarbara Erbe
Datum 15.09.2026  12:00 Uhr

Die Diagnose Krebs ist für viele Menschen ein Schock. Mit einem Mal kommen existenzielle Ängste auf; nichts ist mehr, wie es war. Auf den Körper scheint kein Verlass mehr, und wie es mit Familie, Freundeskreis, Beruf und Finanzen weitergeht, scheint für viele auch erst einmal offen. »Die Diagnose und ihre Behandlung können den Alltag auf den Kopf stellen, bei manchen Betroffenen vorübergehend, bei anderen dauerhaft«, berichtet die Psychoonkologin Doris Lintz vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) im Gespräch mit PTA-Forum. »Betroffene brauchen Zeit, um sich neu zu orientieren und mit den veränderten Bedingungen umgehen zu lernen.«

Denn plötzlich sind sie mit der Unsicherheit darüber konfrontiert, wie die potenziell tödliche Erkrankung verläuft, versuchen, medizinische Fakten zu verstehen, verschiedenen Ärzten zu vertrauen und weitreichende Behandlungsentscheidungen zu treffen. Gleichzeitig gilt es, den Alltag neu zu organisieren, Termine abzustimmen, eventuell Hilfe für Alltagsaufgaben zu finden. Über diesen Stress hinaus können Beschwerden wie Übelkeit, Erschöpfung oder Schmerzen, aber auch körperliche Veränderungen wie Haarausfall, Probleme mit der Sexualität oder Operationsnarben das seelische Befinden stark beeinträchtigen. Je nach Lebenssituation ist auch die finanzielle Situation ein großes Thema, etwa durch längere Arbeitsunfähigkeit oder Schwierigkeiten bei der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen.

Es geht nicht um Schuld

Vor allem in den ersten Tagen oder Wochen nach der Diagnose fragten sich viele Betroffene, ob sie für ihre Krankheit teilweise selbst verantwortlich seien, erklärt Diplom-Psychologin Lintz. »Das wird leider auch immer mal wieder an sie herangetragen, durch Äußerungen wie ›Du hast dir immer so viel Stress gemacht‹ oder ›Du hast einfach zu viel in dich hineingefressen‹.« Hier ist es Lintz zufolge wichtig zu betonen: »Bisher gibt es keine eindeutigen Anhaltspunkte dafür, dass psychische Faktoren eine maßgebliche Rolle bei der Entstehung einer Krebserkrankung spielen. Genauso wenig kann man sagen, dass eine bestimmte Art, mit der Krankheit umzugehen, richtig ist – auch wenn viele Erkrankte dazu Ratschläge aus dem Umfeld bekommen. So ist beispielsweise nicht belegt, dass ›positives Denken‹ eine Behandlung wirksamer macht oder Rückfälle verhindern kann, und auch nicht, dass eine vorübergehende Niedergeschlagenheit, Angst oder Stress unmittelbar das Tumorwachstum fördert.« Derlei Aussagen könnten, so gut sie auch manchmal gemeint sind, die Betroffenen nur noch weiter unter Druck setzen.

Immer wieder geistere auch der Begriff der »Krebspersönlichkeit« durch die Medien, heißt es ergänzend in der Patientenleitlinie Psychoonkologie. »Damit ist gemeint, dass bestimmte Charaktere eher Krebs bekommen als andere. Auch für diese Theorie gibt es keine haltbaren Belege.«

Anders verhalte es sich, wenn man Ursache und Wirkung andersherum betrachte: Denn die Krankheit wirkt sich durchaus auf die Psyche aus, eben weil sie den meisten Menschen Angst macht und viele Anstrengungen mit sich bringt. Halten Gefühle von Kraftlosigkeit, Erschöpfung und Angst über längere Zeit an, können sie Betroffene stark belasten, ihren Alltag einschränken und es ihnen schwer machen, belastende Therapien weiterzuführen. Deshalb ist es sinnvoll und wichtig, sich Hilfe zu holen, wenn die Angst zu viel Raum einnimmt oder wenn Schlafstörungen, Müdigkeit und Appetitverlust länger anhalten.

Auf Hilfsangebote hinweisen

In vielen Kliniken gibt es heutzutage begleitend zur onkologischen Behandlung ein psychoonkologisches Gesprächsangebot. Im ambulanten Bereich erhalten Betroffene niederschwellig, schnell und kostenfrei Hilfe und Unterstützung bei den örtlichen Krebsberatungsstellen. Eine Adresssuche bietet der Krebsinformationsdienst. »Das wissen leider längst nicht alle, und von daher ist es hilfreich, wenn Apotheken entsprechende Flyer auslegen oder diese Betroffenen gezielt an die Hand geben können«, betont Lintz.

In der Regel bekämen Betroffene bei den Beratungsstellen innerhalb kurzer Zeit einen Beratungstermin und Hinweise auf weitere Angebote wie etwa Entspannungstraining, Bewegungs- oder auch Selbsthilfegruppen, so Lintz. Wenn Menschen stark und anhaltend belastet sind, können zudem spezialisierte Psychotherapeuten helfen.

Familien- und Freundeskreis als Stütze

Die erste und zunächst wichtigste Unterstützung kommt allerdings meist aus dem Familien- oder engeren Freundeskreis. Für Krebsbetroffene ist es wichtig, sozial eingebunden zu sein. Es könne Betroffene entlasten, wenn sie über ihre Diagnose und die Sorgen, die damit einhergehen, mit vertrauten Menschen sprechen können, sagt Lintz. »Dabei kann man durchaus dosieren, wem man wie viel von der eigenen Krankheitsgeschichte erzählen möchte.«

Hilfreich ist – das zeigen auch Studien – eine möglichst offene Kommunikation innerhalb der Partnerschaft. Gerade in engen Beziehungen sollte der Impuls, die andere Person zu »schonen«, einer entlastenden Aussprache über Befürchtungen, Hoffnungen und Bedürfnisse möglichst nicht entgegenstehen. Zuwendung und Anteilnahme helfen Betroffenen dabei, ihre Erkrankung besser zu bewältigen, ebenso praktische Hilfen aus dem Umfeld, etwa bei Haushalt, Einkauf oder Transport. Anteilnahme und Unterstützungsangebote zeigen, dass die Betroffenen nicht allein und anderen wichtig sind. Keinesfalls sollten Hilfsangebote allerdings über den Kopf der Betroffenen hinweg organisiert werden.

Was bei Fatigue helfen kann

Viele Krebspatienten leiden schließlich unter einer dauerhaften Erschöpfung oder Fatigue, die sich nur sehr begrenzt durch Ruhe und Schlaf verringern lässt. Auch wenn es für viele paradox klingt: Angepasste körperliche Bewegung wie regelmäßiges Spazierengehen oder leichte Gymnastik lindert die Erschöpfung, heißt es beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Manchmal sei auch Kraft- oder Ausdauertraining möglich.

Außerdem weisen die Experten des IQWiG noch auf Ansätze hin, die helfen können, mit Fatigue zurechtzukommen: den Tagesablauf planen beziehungsweise tageszeitliche Schwankungen der eigenen Kräfte beobachten und Aktivitäten sowie Pausen danach ausrichten. Anstehende Aktivitäten könne man in kleine Schritte aufteilen und sich immer nur auf eine Aufgabe konzentrieren. Auch hilft es manchmal, sich mit möglichst angenehmen Dingen abzulenken, zum Beispiel mit Musikhören, Lesen oder Fernsehen. Um den Nachtschlaf nicht zu beeinträchtigen, raten Experten dazu, tagsüber allenfalls kurze Nickerchen zu halten.

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