Ein schattiges Plätzchen, Beine hoch und den Müßiggang pflegen: So lässt sich der Hitze am besten trotzen. / © Getty Images/Kate Wieser
Nicht nur die Haut übernimmt eine wichtige Funktion bei der Temperaturregulation des Körpers, auch die oberflächlichen Blutgefäße helfen dabei. Bei hohen Temperaturen kann es allerdings zu Problemen kommen – und das bekommen vor allem Menschen mit Venenerkrankungen zu spüren. Und dazu zählt in Deutschland immerhin jeder fünfte.
»Der venöse Rücktransport des Bluts wird erschwert, sodass sich Blut in den Beinen staut«, erläuterte Dr. Siamak Pourhassan, Gefäßchirurg aus Oberhausen, bei einer digitalen Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG). Die Elastizität der Gefäße nimmt ab, sie werden durchlässiger und Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus. »Zusätzlich wird das Lymphsystem überlastet, über das neben dem Venensystem 10 Prozent des Blutes zum Herzen zurücktransportiert werden. Das führt zu müden oder geschwollenen Beinen«, so der DGG-Experte. Bei Venenpatienten könnten die Schwellungen vor allem an den Gelenken sehr stark ausgeprägt und schmerzhaft sein.
Auch wenn Beinschwellungen in der heißen Jahreszeit meist eher harmloser Natur sind – tritt sie nur an einem Bein auf, sei das ein klares Warnsignal. »Eine seitendifferente Beinschwellung muss immer ernst genommen werden«, betonte Pourhassan. Dabei könne es sich um eine Beinvenenthrombose handeln. Besonders gefährlich wird es, wenn zusätzlich Atemnot, Brustschmerzen oder Herzrasen auftreten. »Dann besteht die Gefahr, dass ein Blutgerinnsel in die Lunge gewandert ist. Das ist ein medizinischer Notfall.«
Weitere Alarmzeichen sind einseitige Beinschmerzen, Rötungen, eine Überwärmung oder ein seitendifferent kühleres Bein. »Ist ein Bein auffallend kalt, blass oder taub oder lässt sich schlechter bewegen, kann auch eine akute arterielle Durchblutungsstörung vorliegen, die sofort ärztlich abgeklärt werden muss.«
Pourhassan betonte die Notwendigkeit für Venenpatienten, auch im Sommer ihre Kompressionsstrümpfe zu tragen. Schließlich gehörten sie zu den »wirksamsten Maßnahmen, um das Einlagern von Flüssigkeit in den Beinen vorzubeugen«. Er empfiehlt klimaregulierende Materialien. »Moderne Sommer-Kompressionsstrümpfe setzen auf Klimafasern, die Feuchtigkeit aktiv durch Verdunstungskälte nutzen: Spezielle Funktionsfasern sowie Mischungen mit Biobaumwolle leiten den Schweiß von der Haut weg und speichern ihn im Faserinneren. Durch die anschließende Verdunstung entsteht ein aktiver Kühleffekt.«
Um die Unannehmlichkeiten im Sommer abzumildern, hatte der Referent zwei Frischekicks für Strumpfträger parat: »Beispielsweise, indem man eine kleine Sprühflasche mit Leitungswasser bei sich führt und die Strümpfe direkt am Bein befeuchtet. Auch der Kühlschrank-Trick hilft weiter. Am Morgen die Strümpfe für fünf bis zehn Minuten in den Kühlschrank oder kurz ins Gefrierfach legen, am besten in einem Plastikbeutel verpackt. Das gibt ein erfrischendes Gefühl beim Anziehen und verengt die Gefäße gleich zu Tagesbeginn.«
Venengele hingegen seien kritisch zu hinterfragen. »Sie haben für diese Indikation keine nach medizinischem Standard durchgeführte Wirksamkeitsstudien.« Enthielten sie jedoch kühlende Komponenten wie Menthol, werden sie von Venenpatienten mit Beinschwellungen aufgrund der entstehenden Verdunstungskälte als kühlend und angenehm empfunden. »Diese Effekte sorgen jedoch nur für ein kurzzeitiges, kosmetisches Wohlbefinden auf der Haut«, so Pourhassans Einschätzung.