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GeriPain
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Im Alter möglichst schmerzfrei

Ältere Menschen sind oft hart im Nehmen. Sie erdulden Schmerzen und klagen nicht, berichten womöglich nebenbei darüber, weil das »ja zum Altwerden dazugehört«. Umso wichtiger, diese stets wachsende Patientengruppe im Hinblick darauf gezielt anzusprechen und zu beraten. Dafür plädiert auch die S3-Leitlinie »Schmerzmanagement bei GERiatrischen PAtIeNt:innen in allen Versorgungssettings (GeriPAIN)«.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 23.02.2026  08:00 Uhr

Medikamente eher einschleichen

Welche Medikamente eignen sich laut GeriPain für geriatrische Menschen? Bei leichten bis mäßigen Schmerzen setzen die Autoren bevorzugt auf Paracetamol. Auch Metamizol eignet sich. Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), die gerade auch ältere Menschen in Apotheken oft regelmäßig kaufen, bergen gerade für diese Patientengruppe mitunter erhebliche Risiken. Das liegt an der mit dem Alter nachlassenden Nierenfunktion, an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und an Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. So treten bei geriatrischen Patienten besonders bei höherer Dosierung eines NSAR und länger andauernder Einnahme gehäuft Magen-Darm-Blutungen, kardiovaskuläre Ereignisse, aber auch ein Nierenversagen auf.

Wenn NSAR, dann müssen Vorerkrankungen und die weitere Medikation (wie Blutverdünner, Glucocorticoide) berücksichtigt werden. Es dürfen nur geringe Dosen zum Einsatz kommen und das so kurz wie möglich. PTA können hier auf die Möglichkeit des topischen Einsatzes verweisen. Allerdings gelten auch hier Vorsichtsmaßnahmen und Kontraindikationen, denn die lokal anzuwendenden Medikamente wirken ebenfalls zumindest in einem gewissen Umfang systemisch. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen-Darm-Geschwüre können deshalb Kontraindikationen darstellen, aber auch Nieren- und Leberfunktionsstörungen.

Menschen mit Diabetes sollten nicht ohne ärztliche Rücksprache zu NSAR greifen. Eine dänische Studie zeigte 2023, dass bei Menschen über 79 Jahren bereits eine Einnahmedauer eines NSAR von 28 Tagen ausreichen kann, um das Risiko für eine Herzinsuffizienz deutlich zu erhöhen.  Um mögliche systemische Wirkungen topischer NSAR gering zu halten, darf man sie nicht großflächig auftragen und muss danach stets die Hände gründlich waschen. Opioide sind eine weitere medikamentöse Therapieoption bei chronischen, nicht durch einen Tumor bedingten Schmerzen, so die GeriPain-Leitlinie.

Nonverbale Signale

Eine Demenzerkrankung erschwert es deutlich, Schmerzen bei Patienten zu erkennen und wirkt sich auch auf die Therapie aus. Menschen mit Demenz können Schmerzen nicht mehr verbalisieren und zeigen sie dann auf anderen Wegen, etwa durch eine entsprechende Gesichtsmimik, durch Stöhnlaute, Wimmern, Schreien oder Schonhaltung, aber auch durch eine gesteigerte Aggressivität oder einen deutlichen Rückzug. Hier brauchen Angehörige und Pflegende besonders feine Antennen und überhaupt das Wissen um mögliche Zusammenhänge, damit Demenzkranke mit Schmerzen eine Diagnose und eine Therapie erhalten. 

Ärzte forschen bei Verdacht am besten in der Krankheitsgeschichte des Betroffenen. Hatte der Mensch schon behandlungsbedürftige Schmerzen? Was war die Ursache? Doch ganz vorne steht zunächst bei Anhaltspunkten für ein schmerzhaftes Geschehen die medikamentöse Behandlung, auch wenn noch nicht genau klar ist, um welche Art von Schmerzen es sich handelt und woher sie kommen. Als Medikamente kommen in erster Linie Paracetamol und Metamizol infrage.

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