Im Interview mit der Adexa rechtfertigt der Apothekenberichterstatter Stephan Pilsinger die geplanten PTA-Vertretungsregeln. / © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Der CSU-Gesundheitspolitiker betonte, dass es bei den Vertretungsplänen nicht um dauerhafte Vertretung gehe, sondern um kurzfristiges Einspringen. »Wir werden eine Regelung beschließen, nach der die PTA kurz alleine in der Apotheke stehen kann, wenn der Apotheker eben mal weg muss, allein um den Laden wegen zehn Minuten Abwesenheit des Chefs nicht zuschließen zu müssen. Das bekommt jede PTA hin«, so Pilsinger.
Wenn es in genau diesen zehn Minuten Nachfragen etwa zu Wechselwirkungen gebe, solle gewartet werden, bis die Apothekenleitung wieder da ist. »Mehr ist das gar nicht.« Mehr Kompetenzen für PTA würden den Beruf attraktiver machen, so Pilsinger. »Wenn wir den PTA neue Kompetenzen geben, wird es keinen Nachwuchsmangel geben, und das gesamte Personal vor Ort ist entlastet. Warum sollte dann eine Land-Apotheke schließen?«
Etwa sei die Erweiterung der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) geplant. »Dazu gehört das Impfen mit Tot-Impfstoffen oder auch die venöse Blutabnahme in der Apotheke, um Arztpraxen zu entlasten. Ich finde, das kann eine PTA genauso gut wie ein Apotheker, wenn sie entsprechend geschult wird und Routine bekommt.«
May fragte auch nach der angekündigten Honorarerhöhung. »Die Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro nach 13 Jahren ist das A und O dieser Apothekenreform, auch wenn sie formell über eine Verordnung umgesetzt werden muss. Das haben wir im Koalitionsvertrag mit der SPD klar vereinbart«, sp Pilsinger.
Pilsinger liegt schon lange die schärfere Kontrolle von Versendern am Herzen. Gegenüber May betonte er, dass es ihm um die berühmten gleich langen Spieße gehe, ebenso um die Patientensicherheit. Die Temperaturkontrolle sei ihm also ein Anliegen. »Es darf nicht sein, dass empfindliche rezeptpflichtige Arzneimittel, ob kühlpflichtig oder nicht, im Sommer bei 34 Grad in einer DHL-Packstation landen und dort tagelang vor sich hin brüten.«
Damit werde bald Schluss sein, kündigte er an. Die Versender »werden deutlich strengere Auflagen für den Transport und die Übergabe beim Besteller bekommen«. Wichtig seien Kontrolle und gegebenenfalls Sanktionierung. Wohl in Anspielung auf die aktuell in Brüssel festsitzende Verordnung, die genau dies regeln soll, sagte Pilsinger, dass ihm persönlich eine noch weitere Verschärfung wichtig sei, aber »das ist wohl europarechtlich nicht möglich, wie uns das Bundesgesundheitsministerium erklärt«.
Die EU-Kommission hatte diesbezüglich Bedenken angemeldet und hält die geplanten Verschärfungen für übertrieben. Die Bundesregierung muss auf diese Stellungnahme reagieren. Bis Mitte Juli liegt die Verordnung – zumindest der zu notiifizierende Teil – damit auf Eis.
Dass man bereits Alternativpläne hat, deutete Pilsinger zumindest an: »Aber mit dem, was bald kommt, kann ich und können vor allem die Patienten gut leben.«
Der schon lange von der Gewerkschaft geforderten Personalzulage erteilte Pilsinger eine Absage; diese Idee sei zwar sicher »förderlich«, stoße angesichts knapper Kassen aber auf taube Ohren beim Bundesfinanzminister.
Staatliche Förderung etwa an Tarifbindung zu koppeln, wie es die Gewerkschaft fordert, kann sich der CSU-Politiker ebenfalls vorstellen, verweist aber auch auf die nötige Abstimmung mit dem Arbeits- und Sozialressort.