Dem pharmazeutischen Personal sind Myalgien und Myopathien vor allem als wichtige Nebenwirkungen von Statinen bekannt. Das Spektrum reicht dabei von einer symptomlosen Erhöhung des überwiegend muskelspezifischen Enzyms Kreatinkinase (CK) im Serum über Myalgien und toxische Myopathien bis zur gefürchteten Rhabdomyolyse, einem Gewebezerfall der quergestreiften Muskulatur mit dem Absterben von Muskelfasern. Am häufigsten treten leichte CK-Erhöhungen und Myalgien auf.
Studien zufolge treten Statin-assoziierte Myopathien bei etwa 0,1 Prozent der Patienten auf, eine Rhabdomyolyse bei 0,01 Prozent. Die Leitlinie weist außerdem auf eine Studie aus dem Jahr 2022 hin, im Rahmen derer 28 Prozent der untersuchten Patienten eine Statin-assoziierte Myopathie mit einer CK-Erhöhung von weniger als dem 10-fachen der Norm aufwiesen (DOI: 10.1016/j.amsu.2022.103304).
Zu bedenken ist: Die muskulären Nebenwirkungen könnten zu einem gewissen Anteil auf einen Noceboeffekt zurückzuführen sein. Einer Metaanalyse zufolge, in der 23 randomisierte Doppelblindstudien mit etwa 155.000 Patienten ausgewertet wurden, waren weniger als 10 Prozent der Muskelsymptome unter einer Therapie mit Statinen tatsächlich auf die Statineinnahme zurückzuführen (DOI: 10.1016/S0140-6736(22)01545-8).
Oft wird Patienten empfohlen, gegen die Muskelschmerzen unter Statintherapie eine Nahrungsergänzung mit Coenzym Q10 einzunehmen. Doch in bisherigen Studien konnte das Supplement überwiegend keine spürbare Besserung der Muskelbeschwerden erzeugen, wie der unabhängige Faktencheck-Service »Medizin transparent« berichtet. Auch, ob geschlucktes Coenzym-Q10 wirklich im Muskel ankommt, ist einer Studie zufolge fraglich.
Medizin transparent ist ein Projekt von Cochrane Österreich an der Universität für Weiterbildung Krems (Donau-Universität Krems).
Das Myopathie-Risiko scheint vor allem im ersten Jahr der Statineinnahme erhöht; es steigt bei höheren Dosen und der gleichzeitigen Einnahme bestimmter anderer Medikamente. Besonderes Augenmerk ist beispielsweise dann gefordert, wenn Patienten mit einer Statintherapie wegen einer bakteriellen Infektion oder einer Pilzinfektion mit bestimmten Antibiotika oder Antimykotika behandelt werden.
Medikamente/Substanzen, die laut der Leitlinie das Myopathierisiko unter Statinen erhöhen: