Grund für das hohe Interaktionspotenzial ist die Verstoffwechslung über CYP3A4. Simvastatin, Lovastatin und Atorvastatin werden vorrangig über dieses Enzym abgebaut; bei der Kombination mit einem CYP3A4-Inhibitor steigt der Statinspiegel im Körper stark an, und damit erhöht sich auch das Myopathierisiko. Bei Simvastatin und Lovastatin sind Kombinationen mit CYP3A4-Hemmern daher kontraindiziert, bei Atorvastatin sollten sie vermieden werden.
Pravastatin, Fluvastatin, Rosuvastatin und Pitavastatin werden dagegen überwiegend nicht über CYP3A4 metabolisiert. Hier ist zwar die gleichzeitige Gabe mit einem Inhibitor möglich, sie sollte aber dennoch mit Vorsicht und unter Überwachung auf muskelspezifische Symptome erfolgen.
Ist eine kurzfristige Behandlung mit einem CYP3A4-Inhibitor, zum Beispiel einem Antibiotikum, notwendig, kann der Arzt die Statingabe vorübergehend pausieren. Bei einer längerfristigen Gabe sollte er prüfen, ob der Patient auf ein Statin umgestellt werden kann, das nicht hauptsächlich über CYP3A4 verstoffwechselt wird.
Gut zu wissen: Neben CYP3A4 können auch Wechselwirkungen über hepatische Transportproteine wie OATP1B1 zu erhöhten Statinspiegeln führen.
Die Neurologen geben in der Leitlinie auch Empfehlungen, wie vorzugehen ist, wenn unter der Therapie mit Statinen leichtere Muskelsymptome auftreten. Bei moderaten CK-Wert-Erhöhungen und Myalgien, die nicht zu Einschränkungen führen, ist kein Absetzen des Statins notwendig. Eventuell kann eine Dosisreduktion oder ein Wechsel des Statins zu normalen CK-Werten und Beschwerdefreiheit führen.
Beendet werden sollte die Einnahme bei intolerablen Symptomen, einer CK-Erhöhung über das 10-Fache der Norm oder bei einer klinisch relevanten Rhabdomyolyse. Auf routinemäßige CK-Kontrollen bei symptomfreien Patienten kann den Autoren zufolge prinzipiell verzichtet werden.