PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Hochfunktionale Depression
-
Nach außen alles im Griff – innen am Limit

Depressionen sind nicht immer sichtbar: Manche Betroffene »funktionieren« nach außen scheinbar normal. Was hinter einer hochfunktionalen Depression steckt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
AutorKontaktdpa
Datum 28.05.2026  16:00 Uhr

Woher kommt der Drang, immer zu funktionieren?

Der Drang, trotz Depressionen zu funktionieren, hat unterschiedliche Ursachen. Häufig stehen laut Brakemeier ausgeprägter Perfektionismus und ein hoher Leistungsanspruch dahinter. Viele Betroffene verinnerlichen früh Glaubenssätze wie: »Ich muss funktionieren« oder »Ich bin nur durch Leistung liebenswert«.

Hinzu kommen ein starkes Kontrollbedürfnis, Schwierigkeiten, Hilfe anzunehmen, und das Zurückstellen eigener Bedürfnisse – oft verbunden mit emotionaler Distanz zu den eigenen Gefühlen.

Rückmeldungen aus dem Umfeld wie »Du hast dich verändert« oder »Du wirkst erschöpft« werden nicht richtig eingeordnet oder abgewehrt. Der zentrale Konflikt: Das Festhalten am Funktionieren verhindert, was eigentlich helfen würde: anzuerkennen, dass Belastung und Stimmung schwanken dürfen.

Was hilft Betroffenen?

Eine Psychotherapie hilft, Muster zu erkennen und Schritt für Schritt zu verändern. Bei mittelgradigen bis schweren Verläufen können Antidepressiva sinnvoll sein, idealerweise in Kombination mit Psychotherapie. In schweren Fällen kann laut Dallüge auch eine intensivere Behandlung, etwa tagesklinisch oder stationär, notwendig werden.

Zudem kann der Austausch mit vertrauten Personen entlastend wirken. Idealerweise nicht im oberflächlichen Small Talk, sondern in offenen, ehrlichen Gesprächen, so Brakemeier.

Daneben sollten Betroffene Belastungen auch im beruflichen Kontext frühzeitig ansprechen. Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsschutzes sind Arbeitgeber gehalten, auf solche Hinweise zu reagieren und geeignete Maßnahmen zu prüfen.

Im Alltag geht es vor allem darum, die Selbstwahrnehmung zu verbessern. Hilfreich sind laut Dallüge etwa regelmäßige Check-ins oder Stimmungstagebücher. Es geht darum, individuelle Warnsignale wie Erschöpfung, Anspannung oder Interessenverlust zu erkennen.

Ebenso wichtig sind ein bewusster Umgang mit den eigenen Belastungsgrenzen und ausreichend Pausen. Ergänzend können Bewegung, Schlafhygiene und achtsamkeitsbasierte Verfahren unterstützen.

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa