| Juliane Brüggen |
| 21.09.2026 10:00 Uhr |
Wenn tatsächlich eine Demenz festgestellt wird, könne die frühe Diagnose Vorteile haben, so DGN und Hirnstiftung. »Bei Alzheimer können beispielsweise symptomatisch wirkende Medikamente wie Donepezil oder Rivastigmin infrage kommen«, erklärt Professor Dr. Özgür Onur, Köln, Sprecher der DGN-Kommission »Demenzen«. »Auch nicht medikamentöse Maßnahmen können dazu beitragen, vorhandene Fähigkeiten und die Selbstständigkeit im Alltag möglichst lange zu bewahren. Bei bestimmten Betroffenen mit einer Alzheimer-Erkrankung in einem frühen Krankheitsstadium stehen inzwischen außerdem Antikörpertherapien zur Verfügung, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen können. Voraussetzung für ihren Einsatz ist unter anderem, dass die Alzheimer-Krankheit früh erkannt und eindeutig diagnostiziert wird.«
Hinzu kommt, dass bei früher Diagnose die beeinflussbaren Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, erhöhte Cholesterinwerte oder Rauchen konsequent behandelt werden können. »Auch damit stellt man frühzeitig die Weichen, um beeinflussbare Risiken für weitere Gefäß- und Hirnschädigungen möglichst zu reduzieren«, sagt der Kölner Demenzexperte.
Nicht zuletzt schafft die frühe Diagnose Zeit: »Betroffene können gemeinsam mit ihren Angehörigen überlegen, welche Unterstützung sie benötigen, ihre berufliche und finanzielle Zukunft planen und eine Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung erstellen«, berichtet die Präsidentin der Deutschen Hirnstiftung, Professorin Dr. Kathrin Reetz, Aachen. »Vor allem können sie viele Entscheidungen noch selbst treffen und ihre persönlichen Wünsche einbringen.« Auch Angehörige können besser mit der Situation umgehen, wenn die Diagnose bekannt ist und eine Erklärung für Veränderungen in Persönlichkeit, Verhalten oder Kognition liefert.
Im Zusammenhang mit Alzheimer ist vor allem die Genvariante APOEɛ4 bekannt. Diese sei jedoch kein »Alzheimer-Gen«, sondern ein Risikofaktor, informieren DGN und Hirnstiftung: »Mit APOE ε4 bekommt man nicht zwangsläufig Alzheimer, und Alzheimer kann ebenso ohne APOE ε4 entstehen – aber eine Vielzahl der Betroffenen hat APOE ε4.«
Özgur Onur erklärt: »Bei sehr frühem Erkrankungsbeginn spielt Genetik eine größere Rolle, aber auch die meisten Alzheimer-Erkrankungen unter 60 sind nicht durch eine solche eindeutig vererbte Mutation verursacht. Nur sehr selten, bei etwa einem Prozent der Krankheitsfälle, liegt eine autosomal-dominant vererbte Genmutation vor, die zwangsläufig zur Alzheimer-Krankheit führt.«
Bei frontotemporaler Demenz findet sich hingegen bei etwa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen eine familiäre Häufung; ursächliche genetische Veränderungen lassen sich laut DGN und Hirnstiftung bei etwa 20 bis 30 Prozent nachweisen.