Was die Impfung bezüglich Tollwut anbelangt, gibt es an sich keine Änderungen. Aber die STIKO hat die Praxisrelevanz ihrer Empfehlung durch einige konkrete Punkte deutlich verbessert. So ist es nun möglich, bei einem Versorgungsengpass die beiden inaktivierten Impfstoffe (Rabipur®, Verorab®) innerhalb einer Impfserie zu wechseln. Als ideal empfiehlt die STIKO jedoch weiterhin, denselben Impfstoff zur Vervollständigung der begonnenen Serie einzusetzen.
Auch die Indikationen zur Impfung wurden sehr hilfreich präzisiert: Für Reisende, die Länder mit einem hohen Risiko für Hundetollwut aufsuchen, gilt die Impfempfehlung nun unabhängig von der Reisedauer. Für Zielländer mit einem moderaten Risiko empfiehlt die STIKO eine Impfung, wenn die Reisedauer länger als vier Wochen geplant ist oder bei wiederholten Kurzreisen. Und eigens als Risiko aufgeführt werden »VFR-Reisen«, also »Visiting Friends and Family«. Bei dieser kommunikativen Reiseform kann das Expositionsrisiko deutlich erhöht sein. Deshalb sollte die Indikation zu einer präexpositionellen Impfung (PrEP) großzügig gestellt werden.
In die Beratung sollten neben der Tatsache, dass heute – gegenüber früheren Zeiten – nebenwirkungsarme, hochwirksame Impfstoffe für diese PrEP zur Verfügung stehen, auch die möglichen Folgen einer Postexpositionsprophylaxe (PEP) ohne vorausgehende PrEP einfließen. Zum einen steht das hierfür erforderliche Rabies-Immunglobulin nur in sehr begrenztem Umfang zur Verfügung. Zum anderen können die dann erforderlich werdenden langen Verabreichungszeiträume und nicht zuletzt kaum vermeidbarer psychologischer Stress die konkreten Reisepläne zum Beispiel bezüglich der Reiseroute beeinträchtigen oder gar zum Reiseabbruch Anlass geben. Eine große Hilfe kann bei der Beratung das RKI-Schema zur Entscheidungshilfe für die Tollwut-Postexpositionsprophylaxe (PEP) bieten, das ebenfalls ins aktuelle Epidemiologische Bulletin aufgenommen worden ist.
Auch für die Impfung gegen den Typhus-Erreger führt die aktuelle Empfehlung keine relevanten Änderungen auf. Empfohlen wird die Immunisierung Reisenden in Endemiegebiete mit Aufenthalt unter schlechten hygienischen Bedingungen. Auch hier zeigen die VFR-Aufenthalte ein erhöhtes Risiko. Die Impfexperten legen die Vakzinierung auch Kurzreisenden nahe, vor allem bei Reisen auf den indischen Subkontinent.
Zwar ist Salmonella typhi weltweit verbreitet. Dennoch tritt hierzulande Typhus nur selten bei Reiserückkehrern auf. In 2023 sind lediglich 79 Fälle diagnostiziert, und zwar vor allem in der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen – fast alle waren nicht geimpft. Eingeschleppt wurden die Salmonellen vor allem aus Indien, Pakistan, Mexiko und Bangladesch.
Zugelassen sind zwei monovalente Impfstoffe (Grundimmunisierung plus Auffrischimpfungen): der orale Lebendimpfstoff Typhoral® L in Kapselform sowie der Injektionsimpfstoff Typhim Vi® aus dem Vi-Kapselpolysaccharid von Salmonella Typhi.