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Beratung kompakt
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Richtig vorgehen bei der Blutzuckermessung

Mal eben schnell den Blutzucker checken? In den meisten Apotheken kein Problem. Auch wenn eine konkrete Diagnose immer Sache eines Arztes ist, kann der niederschwellige Zugang in der Apotheke vor Ort helfen, die Dunkelziffer nicht erkannter Diabeteserkrankungen zu senken.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 05.03.2026  16:00 Uhr

Einrichtung des Messplatzes

  • validiertes Blutzuckermessgerät inklusive Teststreifen und Qualitätskontrollmaterial
  • Hygienestandards gemäß Hygieneplan (Hände-, Haut- und Flächendesinfektion)
  • Einmalmaterialien (Handschuhe, Stechhilfe, Tupfer, Pflaster)
  • durchstichsicherer Abfallbehälter für potenziell infektiöse Abfälle
  • Ergebnisprotokoll und Informationsmaterial zur Einordnung der Werte

Wer darf messen?

  • pharmazeutisches Personal, also auch PTA, nach entsprechender interner oder externer Schulung
  • vorausgesetzt ist eine bestehende Schutzimpfung gegen Hepatitis-B-Viren
  • Schwangere und Stillende: aus Gründen des Arbeitsschutzes keine Durchführung von Blutuntersuchungen

Kalte Finger? Kein Problem

Durchblutung des Probefingers des Patienten kann etwa durch leichtes Reiben der Hände oder Fingerkuppe gefördert werden. Alternativ Hände unter warmes Wasser halten oder Finger durch Öffnen und Schließen zur Faust bewegen lassen.

Vorbereitung

  • Hände waschen und desinfizieren
  • Einmalhandschuhe anziehen
  • Einmalstechhilfe vorbereiten

Die Messung

  • Einstichstelle desinfizieren, Finger vollständig abtrocknen lassen
  • mit der Einmalstechhilfe seitlich unten in die Fingerbeere stechen, bevorzugt den Rand von Mittel-, Ring- oder kleinem Finger anstechen, werden im Alltag weniger benutzt; nicht mitten in die Fingerbeere stechen, das ist besonders schmerzhaft.
  • ersten Blutstropfen mit Tupfer abwischen (kann entfallen, wenn der Patient sich zuvor gründlich die Hände gewaschen hat)
  • ausreichend großen Blutstropfen bilden lassen
  • falls nötig, Handinnenfläche bis zum zweiten Fingerglied leicht massieren
  • Blutstropfen nicht aus der Fingerbeere herausdrücken (Austritt von Gewebsflüssigkeit kann den Blutstropfen verdünnen und zu falsch niedrigen Messwerten führen)
  • Blutstropfen vom Teststreifen aufnehmen lassen (nicht von oben auftropfen und Teststreifen nicht in die Haut drücken)
  • Einstichstelle locker mit Tupfer abdecken, gegebenenfalls Pflaster aufkleben
  • Messergebnis abwarten und dokumentieren
  • bei Messergebnissen, die deutlich außerhalb des Normbereichs liegen, Messung wiederholen

Entsorgung

Einmalstechhilfen, Teststreifen, benutzte Tupfer und Einmalhandschuhe in einem gesondert gekennzeichneten, durchstichsicheren und bruchfesten Abfallbehälter für potenziell infektiöse Abfälle mit Verletzungsgefahr entsorgen.

Wie sind die Werte zu beurteilen?

Was bedeutet mein Wert? Nüchtern Nach der Mahlzeit
Kontrollbedürftiger Befund: baldmöglichste Information an Arzt/Ärztin ≥ 126 mg/dl beziehungsweise ≥ 7,0 mmol/l ≥ 200 mg/dl bzw. ≥ 11,1 mmol/l
Befund im Bereich des erhöhten Diabetesrisikos: erneute Messung in etwa 2 Wochen in der Apotheke 100–125 mg/dl bzw. 5,6–6,9 mmol/l 140–199 mg/dl bzw. 7,8–11,0 mmol/l
Unauffälliger Befund < 100 mg/dl bzw. < 5,6 mmol/l < 140 mg/dl bzw. < 7,8 mmol/l
Quelle: Informationsbogen Blutglucose der ABDA

Noch keine pDL

Die Blutzuckermessung ist derzeit keine anerkannte pharmazeutische Dienstleistung (pDL). Der Preis für die Untersuchung kann von der Apotheke selbst festgelegt werden und ist von den Patienten zu tragen. Das könnte sich jedoch künftig ändern: Laut Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministerium (BMG) vom Oktober 2025 soll eine pDL »Beratung mit Messungen zu Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus« eingeführt werden.

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