Psychische Belastung kann sich sehr unterschiedlich äußern – und auch in ganz verschiedenen Lebensbereichen. »Bei einer depressiven Symptomatik können das unter anderem Niedergeschlagenheit sein, der Verlust von Interessen und Freude, Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme«, beschreibt es Cohrdes.
»Bei Angstsymptomen sind Kernanzeichen, dass man Sorgen nicht so leicht stoppen kann.« Dieses chronische Grübeln könne zusammen mit häufig auftretender Nervosität und Anspannung unter anderem dazu führen, dass sich alltägliche Dinge schwerer erledigen ließen.
»Besonders hoch sind depressive Symptome und Angstsymptome in Deutschland aktuell bei jüngeren Erwachsenen«, berichtet die RKI-Expertin. »Das ist ein Befund, den wir ernst nehmen müssen.« Frauen seien häufiger betroffen als Männer. »Besonders hohe Werte sehen wir aktuell bei jungen Frauen.«
Für das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit ergänzt Psychiater Meyer-Lindenberg: »In der Praxis sehen wir einen sehr großen Anstieg bestimmter psychischer Störungen bei jungen Menschen – am deutlichsten bei Essstörungen.«
Generell zeigen sich depressive Symptome nach RKI-Erkenntnissen häufiger bei Menschen, die keinen höheren Bildungsgrad erreichen konnten. Das gilt auch für Personen mit einem niedrigen Einkommen.
Psychische Erkrankungen seien inzwischen die Hauptursache für Frühberentungen, sagt Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. »Sie sind auch ein Hauptgrund dafür, warum Menschen krankgeschrieben sind, häufig sehr lang. Das verursacht einen massiven wirtschaftlichen Schaden.«
Leidet auch der gesellschaftliche Zusammenhalt? So zugespitzt lässt sich das aus der internationalen Forschung bislang nicht belegen. Eine zunehmende psychische Belastung kann aber sozialen Zusammenhalt etwa in Familien oder der Nachbarschaft schwächen, weil sie sozialen Rückzug und Konflikte begünstigt. Studien zeigen jedoch zugleich, dass soziale Verbundenheit und Unterstützung psychische Belastungen abfedern können.