»Die Haut vergisst nicht. Auch wenn sie sich von einem Sonnenbrand dem Anschein nach erholt – Schaden nimmt sie trotzdem«, betont die Leiterin des DKFZ-Krebsinformationsdienstes, Susanne Weg-Remers. / © Getty Images/Iuliia Burmistrova
Ein aktueller Trend birgt große Gesundheitsgefahren: Jugendliche und junge Erwachsene setzen sich gezielt der extremen Mittagssonne aus, verzichten auf Sonnenschutzcremes oder nutzen Bräunungsbeschleuniger und Bräunungsöle, um eine intensive Rötung oder extrem dunkle Haut zu bekommen.
Der Chefarzt der Hautklinik der Asklepios Klinik in Hamburg St. Georg, Christian Sander, warnt vor erheblichen gesundheitlichen Risiken. »Ein Sonnenbrand ist kein ästhetisches Statement, kein »Look«, sondern ein Hilferuf der Haut, genauer: eine akute, zelluläre Brandverletzung der Haut mit dem klaren Risiko von Hautkrebs.« Der Trend kursiert auf verschiedenen Social-Media-Plattformen unter Schlagworten wie »Tanmaxxing« und »UV-Maxxing«.
Die leicht gerötete Haut werde fälschlicherweise als attraktiver »Sunburn-Look« verharmlost, die Algorithmen der Plattformen verstärkten diese vermeintlichen Schönheitsideale noch zusätzlich, kritisiert Sander. »Es gibt medizinisch gesehen keinen gesunden Sonnenbrand und auch keine unbedenkliche Bräune«, betont der Experte. »Sobald sich die Haut rötet, liegt bereits eine Entzündung mit einer Schädigung der Zell-DNA vor.« Die Haut reagiere mit einer Entzündung auf die ultraviolette Strahlung. »Zu glauben, man könne die Haut durch schrittweises Abbrennen auf die Sonne vorbereiten oder einen ästhetischen Trend daraus machen, ist ein medizinischer Mythos mit potenziell tödlichen Folgen.«
Sander appelliert an Eltern und Pädagogen, das Thema aktiv anzusprechen: »Social-Media-Trends kommen und gehen – aber die Schäden an der Haut bleiben ein Leben lang. Aufklärung, konsequenter Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor, also LSF 50, sowie das Meiden der prallen Mittagssonne sind unverzichtbar.«