Achtet man bei Rezepturen mit mehreren Wirkstoffen nicht auf die Voraussetzungen für Stabilität, kann das Gleichgewicht kippen. / © Adobe Stock/Andrey Popov
PTA Gabi Galenik hat eine Verschreibung vorliegen, für deren Herstellung sie einige Punkte beachten und prüfen muss (siehe Kasten). Keine einfache Aufgabe – denn es sind mit Triamcinolonacetonid, Miconazolnitrat und Harnstoff gleich drei Wirkstoffe enthalten.
Zunächst prüft sie die oberen Richtkonzentrationen in den »Tabellen für die Rezeptur«. Bei Triamcinolonacetonid liegt sie bei 0,2 Prozent. Für Miconazolnitrat ist keine obere Richtkonzentration angegeben, aber die therapeutische Konzentration liegt bei 1 bis 2 Prozent. Für Harnstoff liegt die therapeutische Konzentration für Erwachsene bei 3 bis 40 Prozent. Die gewünschten Konzentrationen der vorliegenden Rezepturvorschrift fallen alle in die entsprechenden Bereiche.
1 x täglich anwenden
Anschließend wirft sie einen Blick auf die rezeptierbaren pH-Bereiche der verschiedenen Stoffe. Die Anionische hydrophile Creme DAB ist mit Sorbinsäure konserviert, was einen pH von maximal 5,5 für eine funktionierende Konservierung voraussetzt. Harnstoff zersetzt sich in wasserhaltigen Zubereitungen langsam und erhöht dabei den pH-Wert. Die Zersetzung findet allerdings langsam statt und der Milchsäure-Natriumlactat-Puffer wirkt dem pH-Anstieg entgegen.
Für Triamcinolonacetonid ist in den Tabellen ein recht breiter pH-Bereich von 2 bis 9 angegeben, für Miconazolnitrat ein pH-Bereich von 3 bis 8. Harnstoff kann in pH-Milieus von 1 bis 12 verarbeitet werden. Die einzige offensichtliche Begrenzung, die Gabi auffällt, ist die Konservierung, die aber durch den zugesetzten Puffer und die nur langsame Zersetzung von Harnstoff kein Problem darstellen sollte.
Auch die therapeutische Sinnhaftigkeit der Kombination sollte hinterfragt werden. Die dermale Anwendung von Antimykotika gemeinsam mit Glucocorticoiden ist nicht optimal, aber auch nicht bedenklich. Bei kurzfristiger Anwendung sieht Gabi kein Problem. Die Kombination von Harnstoff mit den beiden anderen Wirkstoffen ist nicht ungewöhnlich.
Bleiben nur noch weitere Inkompatibilitäten, auf die es zu prüfen gilt. Laut den Tabellen ist Anionische hydrophile Creme DAB inkompatibel mit bestimmten kationischen Stoffen. Miconazolnitrat ist kationisch. Um herauszufinden, ob das Antimykotikum zu den »bestimmten kationischen Stoffen« gehört, tippt Gabi Grundlage und Wirkstoff in die Suche auf der Website des DAC/NRF ein und findet im Rezepturenfinder die »Anionische Miconazolnitrat-Creme 2% (entfallene NRF 11.81.)«.
Die Creme ist nicht wegen Inkompatibilität entfallen, sondern weil es eine vergleichbare Rezeptur gibt. Die Grundlage und das Antimykotikum können also kombiniert werden. Laut Rezepturhinweis »Triamcinolonacetonid« ist das Glucocorticoid mit Harnstoff und Anionischer hydrophiler Creme DAB kompatibel und auch der Harnstoff kann in der Grundlage verarbeitet werden. Von dieser Seite aus scheint es keine Probleme mit der Kompatibilität zu geben.
Gabi findet allerdings einen generellen Hinweis auf der Website des DAC/NRF, dass Gemische mit mehreren Wirkstoffen, bei denen keine Stabilitätsuntersuchungen durchgeführt wurden, in der Haltbarkeit am besten auf vier Wochen begrenzt werden, weil Vielstoffgemische generell schwierig einzuschätzen sind. Da die Anwendungsdauer eines Dermatikums wie dem vorliegenden ohnehin nur kurz sein dürfte, sieht Gabi darin kein Problem. Gabi bespricht sich mit der diensthabenden Apothekerin und stellt die Creme wie verordnet her. Als Aufbrauchsfrist gibt sie vier Wochen an.