Bei der Behandlung einer PTBS kommen laut der Charité bislang vor allem Antidepressiva und Blutdruckmittel zum Einsatz, die jedoch nur begrenzt wirksam sind und speziell gegen die Albträume kaum helfen. Ein spezifisch zugelassenes Medikament für traumabedingte Albträume fehlt demnach in Deutschland bis heute.
Die Autorinnen und Autoren der Studie schreiben, dass viele Patientinnen und Patienten mit PTBS schon länger Cannabis konsumieren, als Selbstmedikation. Dadurch könnten sie eigenen Angaben zufolge Angstgefühle verringern, sich entspannen und den Schlaf verbessern. Dieser oft schon seit Jahrzehnten praktizierte Privatkonsum brachte die Forschung auf die Idee, die Cannabis-Wirkstoffe systematisch zu untersuchen.
Für die Studie nutzten die Forschenden Dronabinol, ein direkt aus der Hanfpflanze gewonnenes THC in Tropfenform. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt zehn Wochen lang täglich 2,5 bis 15 Milligramm – je nach Wirkung individuell dosiert. Die andere Hälfte erhielt ein optisch identisches, ebenfalls nach Cannabis schmeckendes Placebo. Weder die Behandler noch die Teilnehmer wussten, wer welches Präparat einnahm.
Die Auswertung zeigte einen deutlichen Unterschied zwischen den Gruppen: In der Dronabinol-Gruppe sank die Albtraumlast auf einer achtstufigen Skala im Schnitt um 3,7 Punkte, in der Placebogruppe lediglich um 2,2 Punkte. »Insgesamt nahmen rund fünf von sechs Patientinnen und Patienten in der Dronabinol-Gruppe ihren Gesundheitszustand subjektiv als deutlich verbessert wahr«, sagt Röpke.
Kirsten Müller-Vahl, Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover, die an der Studie nicht beteiligt war, hält diese für »gut angelegt«. Löblich sei auch, dass das Studiendesign bereits zuvor publiziert wurde und dass die Charité die Untersuchung selbst bezahlt habe, also keine Gelder aus der Pharmaindustrie dafür nahm.
Wichtig sei außerdem, dass man auf theoretischer Ebene gut erklären könne, wieso eine Therapie mit THC sinnvoll sein könne, führt Müller-Vahl weiter aus. Denn auch im Körper gebe es ein endogenes Cannabinoid-System, das unter anderem bei Angstauslöschung und Schlaf eine Rolle spiele.