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Schmerzen im Kindesalter
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Therapie beginnt mit der Prophylaxe

Die Intensität des individuellen Schmerzempfindens wird nicht unerheblich von gemachten Erfahrungen in der Kindheit geprägt. Eine ehrliche Aufklärung hilft, Schmerz zu vermeiden. Dabei kann auch das Apothekenteam einen Beitrag leisten.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 28.04.2026  12:00 Uhr

Arzneistoff-Ranking

Unter den Nicht-Opioid-Analgetika hat Ibuprofen den höchsten Stellenwert. »Es ist vermutlich das am häufigsten verwendete Schmerzmittel in dieser Gruppe. Seine antiinflammatorische Wirkkomponente macht es noch wertvoller als Metamizol oder Paracetamol«, meinte die Oberärztin der Kinder-Onkologie aus Freiburg. Dazu verursache es kaum gastrale Reizungen.

Paracetamol sei dagegen nur gering analgetisch wirksam. Aufgrund seiner antipyretischen Wirkkomponente sei es jedoch ein dankbarer Helfer bei Fieber, auch da es quasi ab Geburt zugelassen ist. »Geben wir bei hoch fiebrigen Infekten die Tagesmaximaldosis von 60 bis 90 mg pro Kilogramm Körpergewicht, besteht allerdings bei kumulativen Dosen durchaus die Gefahr einer Hepatoxizität«, schränkte van Buiren ein.

Genauso wie Ibuprofen ist Metamizol ab dem dritten Lebensmonat zugelassen. Letzteres punktet durch seine spasmolytische Wirkkomponente, weshalb es vor allem gegen viszerale Schmerzen zum Einsatz kommt. Weil prinzipiell die Gefahr einer arteriellen Hypotension besteht, wird es nur als Kurzinfusion verabreicht. Die Sorge vor Agranulozytosen hält sie dagegen für nicht verhältnismäßig: »Sie kommen derart selten vor. Metamizol ist ein viel zu gutes Schmerzmittel, als dass wir darauf verzichten sollten.«

Die Onkologin betonte die Wichtigkeit von Nicht-Opioid-Analgetika im WHO-Stufenschema zur Schmerztherapie. »Selbst wenn es um schwerste Schmerzen geht, müssen wir den Einsatz von Nicht-Opioiden, unterstützenden Maßnahmen und von Comedikamenten mitdenken. Immerhin lassen sich bei kombinierter Gabe zwischen 30 und 50 Prozent der Opioid-Dosen einsparen. Das reduziert Nebenwirkungen.«

Opioide in der Onkologie

Im Kindesalter haben Opioide vor allem ihren Platz, um Tumorschmerzen entgegenzuwirken; bei Jugendlichen kommen sie auch postoperativ etwa nach Knochenerkrankungen zum Einsatz. Zu den Grundsätzen der Opioidtherapie gehöre es laut der Referentin, immer mit schnell wirksamen Substanzen zu starten. Erst bei einer stabilen Schmerzlinderung würde man gegebenenfalls auf langwirksame oder retardierte Formulierungen umstellen. »Schnell wirksame Darreichungsformen sind besser steuerbar. So beginnt man etwa mit 3 x 10 mg Morphin anstatt mit einem Fentanylpflaster.«

Morphin bezeichnete sie als Standard-Substanz – weil dazu die meisten Erfahrungen vorliegen. »Dank vieler Darreichungsformen ist es extrem variabel einsetzbar, für jedes Lebensalter zugelassen, auch kleinste Dosierung sind möglich – selbst für kleine Kinder, die nicht schlucken können oder wollen, können Tropfen bukkal gegeben werden. Damit ist eine suffiziente analgetische Behandlung immer möglich.« Im ersten halben Lebensjahr wird Morphin verzögert metabolisiert, deshalb werde es niedriger beziehungsweise seltener dosiert. Manchmal reiche ein Tropfen.

Bei Unverträglichkeit von Morphin – starker Juckreiz, Nierensinsuffizienz – weiche man gerne auf Hydromorphon aus. Bei viszeralen Schmerzen sei Tramadol in Kombination mit Metamizol das Mittel der Wahl, da es als einziges Opioid über eine spasmolytische Wirkkomponente verfügt, gab van Buiren einen Überblick über das Arzneistoffspektrum. Und freilich hätten auch die antikonvulsiven Calciumkanalmodulatoren Pregabalin und Gabapentin als Coanalgetika ihren Platz zur Behandlung von peripheren und zentralen neuropathischen Schmerzen. Auch in der Pädiatrie setze man auf Adjuvanzien wie Benzodiazepine zur Behandlung von Dyspnoen oder Dexamethason bei raumfordernden Tumoren.

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