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August-Blues verstehen
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Warum der Abschied vom Sommer Wehmut auslöst

Wenn der Sommer geht, mischt sich oft Wehmut mit Vorfreude: Warum das bittersüße Gefühl zum Jahreszeitenwechsel dazugehört und wie wir Kraft für den Herbst schöpfen können.
AutorKontaktdpa
Datum 05.09.2026  12:00 Uhr

War das wirklich schon der letzte Tag der Saison im Freibad? Abends geht's jetzt nur noch mit Jacke raus? Und ins Freiluft-Kino haben wir es nun gar nicht geschafft! Viele erleben Ende August und Anfang September, wenn sich der Sommer langsam verabschiedet, einen kleinen Stimmungs-Blues.

Woher kommt das? Der Psychologin und Trainerin Nanni Glück zufolge spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Mit einer Jahreszeit gehe auch immer ein besonderes Lebensgefühl zu Ende, sagt sie. »Im Sommer ist man mehr draußen, fühlt sich freier, leichter, das Leben ist ein bisschen langsamer.« Mit dem beginnenden Herbst heißt es nun, davon ein Stück weit Abschied zu nehmen.

Und: »Wir wissen, dass wir nur eine bestimmte Anzahl an Sommern auf dem Planeten verbringen – dass uns diese Endlichkeit so gezeigt wird, kann Traurigkeit auslösen«, sagt Glück. Gleichzeitig kehren mit dem Ende des Sommers oft Alltag und Routinen zurück. »Da können gemischte Gefühle auftauchen«, so die Psychologin. Einerseits freue man sich auf das, was komme, andererseits spüre man einen inneren Widerstand: »Oh, jetzt alles wieder back to normal, das möchte man irgendwie auch nicht.«

Nicht zuletzt spielt die Neurobiologie eine Rolle: »Die Tage werden merklich kürzer, es wird früher dunkler, weniger Licht beeinflusst unseren Schlaf, unsere Aktivitäten«, fasst Glück zusammen.

Sommer-Wehmut verstehen und Gefühle zulassen

»Ich mag aber auch das Wort Wehmut«, so die Psychologin. Für sie stecken darin zwei Bewegungen. Das »Weh« stehe für den Schmerz über das, »was jetzt eben nicht mehr ist«. Also Schmerz über etwas Schönes, das vorbei ist, aber auch über Dinge, die man im Sommer vielleicht gar nicht machen konnte. Auf der anderen Seite stecke in dem Wort auch der »Mut für das, was jetzt kommt«.

In aller Regel ist Wehmut zum Ende des Sommers ganz normal. »Das ist so ein bittersüßes Gefühl«, sagt Glück – und plädiert dafür, die Emotion nicht gleich wegzuschieben, wenn sie aufkommt oder einen für ein paar Tage begleitet. »Die Wehmut zeigt uns, was vergangen ist, was uns wichtig ist.«

Sie rät, die »Vergänglichkeit als freundliche Lehrmeisterin zu sehen, die uns daran erinnert, dass alles vorübergeht«. Das könne helfen, in schönen Momenten präsenter zu sein. »Etwa, sich den Sonnenuntergang mal wieder durch die eigenen Augen anzusehen und nicht durchs Smartphone.« Letztendlich sei es auch Teil unserer Lebendigkeit, »im Rhythmus der Jahreszeiten zu leben und zu schwingen«.

Wenn ein Gefühl der Niedergeschlagenheit aber sehr lange anhält oder der Antrieb so gar nicht zurückkommen will, dann kann es Zeit sein, sich Hilfe zu holen.

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