| Isabel Weinert |
| 13.05.2026 08:00 Uhr |
Etwa jedem zehnten Menschen in Deutschland fehlt es laut Schätzungen an Vitamin B12. Je älter ein Mensch, umso wahrscheinlicher ist ein Mangel. Aber auch jüngere Menschen trifft es, besonders aus den immer größer werdenden Gruppen der Vegetarier und Veganer, denn es steckt vor allem in tierischen Produkten wie Fisch, Fleisch, Eiern, Milch und Milchprodukten. Älteren Menschen hingegen mangelt es fast regelhaft an einem in der Magenschleimhaut gebildeten Glykoprotein, dem Intrinsic-Factor. Ohne ihn gelingt keine Aufnahme von Vitamin B12 aus dem Darm in den Körper, denn Instrinsic Factor bindet das Vitamin an sich und transportiert es in den letzten Abschnitt des Dünndarms, wo es resorbiert wird. Das bedeutet, egal, was die Betroffenen essen oder oral an Vitamin B12 zu sich nehmen, es kommt immer zu wenig im Organismus an.
Eine Autoimmunerkrankung, die sogenannte Autoimmungastritis, verursacht einen schweren Mangel an B12, eine spezielle Form der Blutarmut resultiert daraus, die perniziöse Anämie. Bei der Autoimmungastritis greift das körpereigene Immunsystem die Zellen in der Magenschleimhaut an, die den Intrinsic-Factor synthetisieren. Nicht selten leiden Betroffene unter weiteren Autoimmunerkrankungen, etwa einer Hashimoto Thyreoiditis. Auch andere (entzündliche) Darmerkrankungen können die Resorption von Vitamin B12 einschränken.
Ein hoher Alkoholkonsum bringt häufig einen Mangel an B-Vitaminen mit sich, weil er die Resorption der Vitamine hemmt, die Speicherung in der Leber stört, die Ausscheidung über den Urin verstärkt und für seine eigene Metabolisierung selbst Vitamine verbraucht.
Zu wenig Vitamin B12 durch die Nahrung oder mangels Intrinsic-Factor fällt gesundheitlich nicht sofort ins Gewicht, weil ein großer Teil des Vitamins in der Leber und geringere Mengen in Nieren und anderen Geweben gespeichert wird. Diese Speicher sichern die Versorgung noch über längere Zeit, wenn sie gefüllt sind. Deshalb zeigen sich Symptome eines B12-Mangels oft erst später.
Um einem Vitamin-B12-Mangel auf die Spur zu kommen, veranlasst der Arzt Bluttests auf Vitamin B12 im Serum, Holotranscobalamin und Methylmalonsäure sowie bei Verdacht auch auf Antikörper der Autoimmungastritis. Abhängig vom Resultat und der Ursache kann Vitamin B12 oral zum Einsatz kommen oder – bei fehlendem Intrinsic-Factor und/oder schwerem Mangel am besten als Injektion intramuskulär. Lebenslang brauchen Letzteres diejenigen, denen Intrinsic-Factor fehlt oder bei denen erwiesenermaßen aus anderen Gründen die Resorption nicht ausreicht.
Auch Veganer müssen zwingend Vitamin B12 substituieren, während Vegetarier, wenn sie ausreichend Eier und Milchprodukte essen, ihren Bedarf auch ohne zusätzliche Zufuhr decken können. Beide Gruppen sollten ihren B12-Status regelmäßig beim Arzt bestimmen lassen.