| Juliane Brüggen |
| 21.08.2026 10:00 Uhr |
Betablocker und bradykardisierende Calciumantagonisten wie Verapamil und Diltiazem sind der Fachgesellschaft zufolge nur eingeschränkt als Alternative zur Frequenzkontrolle geeignet: Digitalisglykoside würden in der Regel erst dann eingesetzt, wenn die anderen Therapeutika keinen ausreichenden Effekt erzielt haben. Auch die Blutdrucksenkung kann eine Rolle spielen: Im Gegensatz zu Betablockern und Calciumantagonisten sind Digitoxin und Digoxin blutdruckneutral.
»Als Alternative zu Digitalispräparaten zur Frequenzkontrolle von Vorhofflimmern könnte allenfalls Amiodaron gegeben werden, obgleich dies primär zur Rhythmuskontrolle eingesetzt wird«, schreibt die DGK zu dem Antiarrhythmikum.
Digitoxin wird außerdem bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Pumpfunktion eingesetzt. Die Nationale Versorgungsleitlinie Herzinsuffizienz (2021) sieht Digitalisglykoside etwa als Reservemittel, wenn Patienten im Sinusrhythmus trotz leitliniengerechter Therapie mit prognoseverbessernden Wirkstoffen wie ACE-Hemmern oder Angiotensin-Antagonisten, Betablockern, SGLT2-Inhibitoren und Mineralocorticoid-Rezeptorantagonisten erheblich symptomatisch bleiben.
Die DGK weist auf die DIGIT-HF-Studie (2025) hin, deren Ergebnisse demnächst in die ESC-Leitlinien eingehen könnten. In der Studie hatten Patienten mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion, die eine leitliniengerechte Therapie erhielten, einen Vorteil bei der Gabe von Digitoxin im Vergleich mit Placebo. Die Verumgruppe verzeichnete ein geringeres kombiniertes Risiko für Tod oder Krankenhauseinweisung aufgrund einer verschlechterten Herzinsuffizienz.
Digitoxin und Digoxin sind herzwirksame Glykoside; sie hemmen die Natrium-/Kalium-ATPase. Sie steigern unter anderem die Kontraktionskraft der Herzmuskulatur und verlangsamen die Schlagfrequenz. Dabei haben sie jedoch eine geringe therapeutische Breite und sind daher auch Bestandteil der Substitutionsausschlussliste. Als Nebenwirkung können sie unter anderem Herzrhythmusstörungen verursachen.