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Rhythmusstörungen
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Was das Herz aus dem Takt bringt

Herzrhythmusstörungen gehören zu den häufigsten kardiologischen Befunden überhaupt. Ihr Spektrum reicht von harmlosen Extraschlägen bis hin zu akut lebensbedrohlichen Zuständen. Nicht immer sagt das Ausmaß der Beschwerden etwas über die Gefährlichkeit aus.
AutorKontaktClara Wildenrath
Datum 05.06.2026  16:00 Uhr

Das menschliche Herz schlägt rund 100.000-mal am Tag – zuverlässig, rhythmisch und in der Regel unbemerkt. Aufmerksam werden die meisten Menschen erst, wenn das Herz plötzlich stolpert, scheinbar für einen Moment aussetzt oder anfängt zu rasen.

Der regelmäßige Herzschlag entsteht durch fein abgestimmte elektrische Impulse, die den Herzmuskel zur Kontraktion anregen. Ihr Taktgeber ist der Sinusknoten im rechten Vorhof: eine Gruppe von spezialisierten Herzmuskelzellen, die selbstständig elektrische Signale erzeugen. Das geschieht durch den regelmäßigen Austausch von Natrium-, Kalium- und Calcium-Ionen an der Zellmembran, der ein elektrisches Spannungsgefälle aufbaut. Vom Sinusknoten aus breitet sich der Impuls zunächst über beide Vorhöfe aus. Der sogenannte AV-Knoten (Atrioventrikularknoten), ein zweites Schrittmacherzentrum, überträgt die elektrische Erregung nach einer kurzen Verzögerung auf die Herzkammern. Sie ziehen sich daraufhin zusammen und pumpen das Blut in den Lungen- und Körperkreislauf.

Bei einem gesunden Menschen löst der Sinusknoten in Ruhe etwa 60- bis 80-mal pro Minute einen Herzschlag aus. Emotionale Erregung und körperliche Anstrengung aktivieren das sympathische Nervensystem und treiben dadurch den Puls in die Höhe. In Ruhephasen dominiert dagegen der Parasympathikus. Er sorgt dafür, dass das Herz langsamer schlägt.

Herzrhythmusstörungen oft nicht bemerkt

Die regelmäßig gesteuerte Herzfrequenz bezeichnen Fachleute als Sinusrhythmus. Von Herzrhythmusstörungen oder Arrhythmien sprechen sie, wenn dieses Reizleitungssystem an einer oder mehreren Stellen gestört ist – zum Beispiel durch eine veränderte Impulsbildung, eine gestörte Übertragung oder zusätzliche elektrische Aktivitäten. Das Herz schlägt dann unregelmäßig, zu schnell (Tachykardie) oder zu langsam (Bradykardie). Je nach dem Entstehungsort einer Arrhythmie unterscheiden Mediziner supraventrikuläre Formen, deren Ursprung oberhalb der Herzkammern liegt, und ventrikuläre Formen, die von den Kammern ausgehen.

Viele Rhythmusstörungen bleiben völlig unbemerkt. Manche Betroffene bemerken ein gelegentliches Herzstolpern (Palpitationen), andere klagen über Herzrasen, Luftnot, Schwindel, Brustenge oder Angstgefühl. Im Apothekenalltag ist es wichtig, solche Beschwerden ernst zu nehmen, ohne sie vorschnell zu dramatisieren. Denn nicht jede Arrhythmie ist gefährlich. Viele Menschen spüren gelegentlich Extrasystolen, also zusätzliche Herzschläge, die sich wie ein Stolpern oder Aussetzer anfühlen. Diese Einzelereignisse sind bei ansonsten gesunden Personen meist harmlos und kein Zeichen einer Herzkrankheit. Dennoch können sie sehr unangenehm und beängstigend sein.

Auf der anderen Seite gibt es Rhythmusstörungen, die kaum Beschwerden verursachen, denen aber dennoch eine bedrohliche Erkrankung zugrunde liegt. Wichtig ist bei verdächtigen Symptomen deshalb eine fachärztliche Diagnostik mit EKG, Langzeit-EKG, Belastungs-EKG und gegebenenfalls Echokardiografie. Sie zeigt, ob es sich um eine gutartige Funktionsstörung oder um eine Arrhythmie mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen handelt.

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