| Verena Schmidt |
| 20.10.2026 16:00 Uhr |
Prinzipiell ließen sich beim Zusammenhang Ernährung/gesundes Altern viele verschiedene Bereiche betrachten, so die Ökotrophologin, zum Beispiel Makro- und Mikronährstoffe, Lebensmittelauswahl, Ernährungsmuster und auch die Energiezufuhr. »Wir wissen aus Tiermodellen, vor allem von Studien mit Kleintieren, dass eine moderate Kalorienrestriktion von circa 20 Prozent mit einer Erweiterung der Lebensspanne in Verbindung steht.« Ob die Daten aber so auch auf den Menschen übertragbar sind, sei unklar.
Kiesswetter stellte in diesem Zusammenhang die CALERIE-Studie vor, in deren Rahmen 220 Erwachsene mit einem BMI von 22 bis 28 ihre Kalorienaufnahme für zwei Jahre um 25 Prozent reduzierten. Die Ergebnisse der Studie liefern Hinweise auf kardiometabolische Verbesserungen: Die Probanden reduzierten über den Studienzeitraum ihr Körpergewicht. Die Blutfettwerte und der Blutdruck sanken, auch der Spiegel an proinflammatorischen Zytokinen nahm ab.
Auch zwei sogenannte biologische Uhren, spezielle Marker für das biologische Alter, wurden untersucht – diese wurden durch die Kalorienrestriktion allerdings nicht verändert. Ein weiterer untersuchter Marker konnte allerdings zeigen, dass bestimmte Prozesse des biologischen Alterns unter der Kalorienrestriktion etwas verlangsamt waren. Dennoch: Die Studie sei laut der Expertin kein direkter Nachweis dafür, dass sich eine Kalorienrestriktion auf die Langlebigkeit auswirkt.
Auch allgemeingültige Aussagen, ob und wie sich einzelne Lebensmittel beziehungsweise Lebensmittelgruppen auf die Langlebigkeit auswirken, seien schwierig zu treffen. Die Zufuhr qualitativ hochwertiger Kohlenhydrate und pflanzlicher Proteine im mittleren Alter etwa scheint positiv mit gesundem Altern assoziiert. So ging beispielsweise die Substitution von tierischen durch pflanzliche Lebensmittel, etwa von verarbeitetem Fleisch oder Eiern durch pflanzliche Alternativen, in Untersuchungen mit einer niedrigeren Gesamtmortalität einher und sei wahrscheinlich vorteilhaft für das Altern. Es gebe zudem Hinweise, dass auch im höheren Alter gesundheitsförderliche Ernährungsweisen noch positive Auswirkungen haben können, so Kiesswetter.
In einigen Regionen der Welt erreicht ein außergewöhnlich hoher Anteil von Menschen ein sehr hohes Alter. Die fünf Regionen – Okinawa (Japan), Sardinien (Italien), Ikaria (Griechenland), Nicoya-Halbinsel (Costa Rica) sowie Loma Linda (Kalifornien, USA) – sind auch als Blue Zones bekannt. Die Rate an Hundertjährigen ist dort bemerkenswert hoch, auch chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes oder Demenz treten seltener auf als in anderen Regionen. »Sie sind alle etwas isoliert gelegen und zeichnen sich durch einen naturnahen, einfachen Lebensstil aus«, sagte Dr. Eva Kiesswetter.
Die Ernährungsweisen sind regional unterschiedlich, allen gemein haben sie jedoch einen hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln: vor allem Hülsenfrüchte, saisonales Gemüse und Obst, Nüsse, Vollkornprodukte sowie hochwertige pflanzliche Fette wie natives Olivenöl. Fisch und Meeresfrüchte aus der Region kommen regelmäßig auf den Teller, Fleisch wird nur in geringen Mengen und oft nur zu besonderen Anlässen gegessen. Stark verarbeitete Lebensmittel und industrieller Zucker kommen so gut wie nie auf den Tisch. Gesüßt wird – wenn überhaupt – mit natürlichen Quellen wie Honig oder Obst.