Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis ist der Stoffwechsel oft deutlich verlangsamt, Energie- und Kalorienbedarf sinken. Patienten hadern daher häufig mit einer ungewollten Gewichtszunahme. / © Imago/Zoonar
Die Autoimmunthyreoiditis nach Hashimoto verläuft schubweise und ist durch eine chronische Entzündung der Schilddrüse gekennzeichnet. Sie ist in Deutschland die führende Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion. Die Prävalenz liegt bei etwa 2 bis 3 Prozent und scheint in den letzten Jahren zuzunehmen. Frauen sind bis zu achtmal häufiger betroffen als Männer und die Häufigkeit steigt mit höherem Alter.
Oft liegt eine familiäre Disposition vor und es können Komorbiditäten mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes, Morbus Addison oder rheumatischen Erkrankungen auftreten. Bei einer genetischen Disposition können Faktoren wie hormonelle Einflüsse, Infektionen, hohe Jodzufuhr, Stress oder Nikotinkonsum dazu beitragen, dass die Krankheit ausbricht.
Die Hashimoto-Thyreoiditis beruht im Wesentlichen auf einer Autoimmunreaktion gegen Schilddrüsenstrukturen. Dabei werden zunehmend funktionsfähige Schilddrüsenzellen (Thyreozyten) zerstört und durch Bindegewebe ersetzt. Die Symptomatik ist variabel und abhängig von der Schilddrüsenfunktion. In frühen Phasen kann sich durch einen Gewebezerfall und eine Freisetzung gespeicherten Schilddrüsenhormons kurzzeitig eine Hyperthyreose entwickeln. Die sogenannte Hashitoxikose kann ohne deutliche Symptome verlaufen oder aber vorübergehend typische Anzeichen einer Hyperthyreose wie Herzklopfen, Nervosität oder Gewichtsverlust auslösen.
Im weiteren Verlauf dominiert dann oft die Hypothyreose mit
Die für Morbus Basedow typische Merseburger Trias (Struma, Tachykardie, Exophthalmus) ist bei Hashimoto selten. Zur Diagnose werden zunächst die Schilddrüsenwerte bestimmt. Eine manifeste Hypothyreose zeigt sich durch erhöhtes TSH und gegebenenfalls auch erniedrigtes fT4 und fT3. Bei einer latenten Hypothyreose ist nur TSH erhöht, während fT4 und fT3 noch im Normbereich liegen.
Typisch für Hashimoto sind zudem erhöhte TPO-Antikörper, die bei mehr als 90 Prozent der Betroffenen nachweisbar sind.
Die Behandlung richtet sich nach dem aktuellen Funktionszustand der Schilddrüse und den Beschwerden. Bei manifestem Hypothyreose-Befund ist eine Levothyroxin-Substitution angezeigt. Bei anderen Konstellationen oder im höheren Alter wird die Therapieindikation individuell gestellt. Ein Sonderfall sind schwangere Frauen, die immer behandelt werden sollten und meist eine erhöhte Dosis benötigen, um den gesteigerten Bedarf auszugleichen.
Die Initialdosis wird Alter, Körpergewicht und kardiovaskulären Risiken angepasst. Nach Beginn der Substitution und nach jeder Dosisänderung sollte der TSH-Wert kontrolliert werden. Bei eingestellter Therapie sind in der Regel halbjährliche bis jährliche Kontrollen ausreichend. Bei Symptomen, Komorbiditäten oder unklarer Adhärenz kann engmaschiger geprüft werden. Eine kausale Therapie der Autoimmunreaktion existiert nicht. In aller Regel persistiert oder verstärkt sich die Unterfunktion im Verlauf und viele Patienten müssen die Hormonersatztherapie lebenslang fortführen.
Bei der Substitution ist es wichtig, die Tabletten konsequent und möglichst täglich zum selben Zeitpunkt einzunehmen. Viele Nahrungsmittel und Kationen verringern die Bioverfügbarkeit von L-Thyroxin. Daher soll das Arzneimittel am besten morgens nüchtern eingenommen werden (mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück). Zwischen der Einnahme von L-Thyroxin und calcium‑, eisen‑ oder aluminiumhaltigen Präparaten (zum Beispiel Antazida, Calciumtabletten, Eisenpräparaten) ist ein Abstand von mindestens zwei bis vier Stunden einzuhalten. Auch Kaffee, Sojaprodukte und einige Medikamente wie Protonenpumpen-Inhibitoren oder Cholesterolbinder können die Resorption mindern. Bei Durchfall, Zöliakie oder bakterieller Fehlbesiedlung (Malabsorption) kann die Aufnahme ebenfalls verringert sein.
Wichtig für die Abgabe von Schilddrüsenhormonen in der Apotheke ist auch, dass die Arzneimittel von der Aut-idem-Regel ausgenommen sind. Sie dürfen also nicht gegen ein Präparat eines anderen Herstellers ausgetauscht werden. Das liegt daran, dass sich Marken- und Generikum-Präparate in der Bioverfügbarkeit unterscheiden können.
Patienten mit Hashimoto können grundsätzlich ohne Einschränkungen ihrem Alltag nachgehen. Eine Herausforderung kann es allerdings sein, wenn sie an Gewicht verlieren wollen. In der typischen chronischen Phase von Hashimoto kann der Grundumsatz sinken, sodass Patienten mitunter ungewollt zunehmen. Die Gewichtszunahme ist allerdings meist moderat und beruht nicht nur auf Fettmasse, sondern auch auf einer vermehrten Wassereinlagerung im Gewebe.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Abnahme ist, dass die Schilddrüsenfunktion gut eingestellt ist. Eine nicht oder unzureichend behandelte Hypothyreose erschwert das Abnehmen deutlich. Menschen mit behandelter Hypothyreose können zwar immer noch einen leicht niedrigeren Energieverbrauch haben als Stoffwechselgesunde. Dieser Unterschied ist jedoch eher gering und erklärt eine ausgeprägte Gewichtszunahme nicht allein. Häufig spielen zusätzlich Faktoren wie Alter, Bewegungsmangel, Ernährungsgewohnheiten, Schlafqualität oder die Menopause eine Rolle, wenn Hashimoto-Patienten trotz Therapie zunehmen.
Für eine nachhaltige Gewichtsabnahme ist meistens ein Defizit von etwa 300 bis 500 kcal pro Tag empfehlenswert. Achtung: Extreme Diäten können den Verlust von Muskelmasse fördern. Eine Proteinzufuhr von etwa 1,2 bis 1,6 g/kg Körpergewicht pro Tag unterstützt den Muskelerhalt während der Gewichtsabnahme und erhöht die Sättigung. Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Obst machen ebenfalls satt, ohne zu viele Kalorien zuzuführen, und unterstützen eine gesunde Darmfunktion.
Zwei bis drei Einheiten Krafttraining pro Woche helfen, Muskelmasse zu erhalten oder aufzubauen. Ausdauertraining erhöht den Energieverbrauch und verbessert die cardiometabolische Gesundheit. Schlafmangel und chronischer Stress können Hungerregulation, Appetit und Bewegungsverhalten hingegen ungünstig beeinflussen. Daher sollten Patienten auf eine ausreichende Regeneration und ein gutes Stressmanagement achten.
Haben Patienten erfolgreich an Gewicht abgenommen, sollte der Arzt überprüfen, ob die Schilddrüsenhormone noch gut eingestellt sind. Denn eine zu hohe Levothyroxin-Dosis führt zu einer medikamentös bedingten Hyperthyreose. Diese erleichtert zwar das Abnehmen, bringt aber Risiken für Herz und Knochen mit sich.
Wenn trotz gut eingestellter Schilddrüsenwerte, konsequenter Ernährung und regelmäßiger Bewegung über Monate keine Gewichtsabnahme gelingt, sollten weitere Ursachen abgeklärt werden, etwa Medikamente wie einige Antidepressiva oder Glucocorticoide, Insulinresistenz, Schlafapnoe oder andere hormonelle Störungen.
Wenn Patienten mit Hashimoto ihre Gesundheit verbessern wollen, kann die Frage nach geeigneten Nahrungsergänzungsmitteln aufkommen. Hier wird in manchen Fällen Selen empfohlen: Das Spurenelement ist an der Bildung der Schilddrüsenhormone beteiligt und der Körper benötigt es, um T4 in das biologisch wirksamere T3 umzuwandeln. Darüber hinaus kann Selen als Antioxidans Entzündungsprozesse abschwächen. Es gibt aktuell allerdings keine Belege dafür, dass eine zusätzliche Selen-Gabe klinisch bei Hashimoto von Nutzen ist. Eine Selen-Einnahme sollte daher nur nach Rücksprache mit dem Arzt und nach Prüfen des Selenstatus im Blut erfolgen.
Da ein hoher Jodgehalt die Autoimmunität ungünstig beeinflussen kann, wird Hashimoto-Patienten (außer Schwangeren) keine zusätzliche Jodgabe empfohlen. Jodhaltige Lebensmittel und jodiertes Speisesalz können sie aber in normalen Mengen ohne Bedenken zu sich nehmen.
Da die Hormon-Substitution oft lebenslang erfolgen muss, kann die PTA Patienten motivieren, ihre Tabletten auch ohne Beschwerden konsequent einzunehmen. Eine gute Einstellung mit Schilddrüsenhormonen fördert nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit.