»Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sind von Selbstoptimierung betroffen«, sagt Soziologin Sarah Pritz. Sie sind häufig auf Social Media unterwegs und vergleichen sich dort ständig. Auf Plattformen wie Instagram, TikTok, Snapchat und Co. sind Idealbilder eher die Norm als die Ausnahme: Frauen und Männer, die etwa durchtrainiert, schlank und faltenfrei sind, scheinbar keinerlei äußerliche Makel haben und ihr Leben stets im Griff haben. Das kann User dazu animieren, dem auf ungesunde und unrealistische Weise nachzueifern.
Von überzogener Selbstoptimierung sind laut Pritz oft auch leistungsorientierte Menschen betroffen. Denn häufig definieren sie ihren Selbstwert über messbare Resultate. Auch Studierende trifft es der Soziologin zufolge vergleichsweise häufig. Durch permanente Leistungssteigerung versuchten sie, dem hohen Wettbewerbsdruck und den Erwartungen in einer leistungsorientierten Gesellschaft gerecht zu werden.
Der Ausstieg aus dem Drang, sich ständig selbst zu optimieren, falle auch deshalb so schwer, weil er vor allem mit gesellschaftlichem Druck zusammenhängt, sagt Claus. Es gelte der Grundsatz: »Du musst leisten, sonst bist du eine Last für die Gesellschaft.« Daher strebten viele nach Perfektion, um ein gutes Selbstwertgefühl zu haben. Auch die Angst vor dem Scheitern trägt dazu bei, dass viele glauben, ständig und immer das Allerbeste aus sich herausholen zu müssen.
Dennoch kann der Ausstieg aus der steten Selbstoptimierungsspirale gelingen. Pritz rät, bestimmte gesellschaftliche Normen zu hinterfragen. Betroffene sollten ausloten, ob es für sie wirklich erstrebenswert ist, ihre vermeintlichen Ideale zu erreichen. »Erstrebenswerter ist es, sich mitunter die Freiheit zu bewahren, den ständigen Leistungsdruck durch Selbstakzeptanz zu ersetzen«, so Pritz. Dabei sollten Betroffene auch herausfinden, was an ihnen abseits von Leistung liebenswert ist – und sich dies auch bewusst machen, so Claus.
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