Manche lehnen es ab, intuitiv zu entscheiden. Sie suchen nach Argumenten, wägen Vor- und Nachteile ab und lassen ihr Bauchgefühl komplett außen vor. Zwar kann Intuition auch irreführend sein, wie Gigerenzer sagt. Allerdings ließen sich nicht alle Fragen und Probleme rational lösen. »Gute Entscheidungen erfordern oft eine Balance zwischen Intuition und analytischer Überprüfung.«
Ein Beispiel hierfür: Eine Firma sucht eine neue Mitarbeiterin. Die Personalverantwortliche spürt bei einer Bewerberin auf Anhieb, dass es passt. Das ist der intuitive Aspekt. Die Personalverantwortliche überprüft nun, ob die Bewerberin die nötigen Qualifikationen mitbringt und checkt, ob die Gehaltsvorstellung zum Budget passt. Schließlich entscheidet sie sich, die Bewerberin einzustellen – und mit der Zeit zeigt sich, dass dies eine gute Entscheidung war.
Bei fehlenden Erfahrungen ist das Bauchgefühl weniger zuverlässig. In völlig neuen Situationen empfiehlt sich dann eher ein rationales Vorgehen, etwa eine Pro-und-Contra-Liste.
Vorsicht ist auch geboten, wenn man rein intuitiv handelt. »Eine rein intuitive Entscheidung erfordert Mut«, sagt Gigerenzer. Dann muss man die Verantwortung dafür übernehmen, wenn sich die Entscheidung rein nach Bauchgefühl später als die falsche herausstellt.
Beck verweist auf die HALT-Regel: Man sollte nicht hungrig (hungry), wütend (angry), einsam (lonely) oder müde (tired) entscheiden. Denn in solchen Situationen sei das Gehirn eingeschränkt und greife auf kurzfristige Impulse zurück, die gegen Hunger, Müdigkeit & Co. wirkten statt auf komplexe Dinge angemessen zu reagieren. Die praktische Konsequenz: lieber nach dem Essen entscheiden als davor. Eine Nacht darüber schlafen. Im Zweifel jemanden fragen.
»Intuition funktioniert nur in den Bereichen gut, in denen man viel Erfahrung hat«, sagt Gigerenzer. Wer seinem Bauchgefühl mehr vertrauen möchte, sollte vergangene Entscheidungen gezielt reflektieren: Wann lag die Intuition richtig – und wann nicht? Der Psychologe empfiehlt ein Intuitionstagebuch: Situationen notieren, in denen ein Bauchgefühl spürbar war, und festhalten, was daraus wurde. »So lernt man, Fehler zu erkennen«, sagt er.