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Depression statt Mutterglück
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Wochenbettdepression früh erkennen

Traurigkeit und Stimmungsschwankungen nach der Geburt gelten gemeinhin als »Baby-Blues«. Gemeint ist eine kurze Phase der depressiven Verstimmung, von der viele Wöchnerinnen plötzlich erfasst werden. Sie ist kein Grund zur Sorge. Hält die traurige Stimmung jedoch an, könnte dies auf eine Wochenbettdepression hinweisen. Eine ernst zu nehmende Erkrankung mit möglicherweise weitreichenden Folgen, auch für das Kind.
AutorKontaktAnnette Immel-Sehr
Datum 14.05.2026  12:00 Uhr

Mehrere Faktoren

Wissenschaftler haben eine Reihe von Faktoren identifiziert, die das Erkrankungsrisiko einer Frau erhöhen. Dazu zählen vorangegangene depressive Episoden, Angststörung während der Schwangerschaft, kritische Lebensereignisse während der Schwangerschaft und dem frühen Wochenbett sowie geringe soziale Unterstützung. Auch ungewollte Schwangerschaft, häusliche Gewalt, Substanzmissbrauch, Paarkonflikte sowie traumatische Erlebnisse oder Vernachlässigung in der eigenen Kindheit können eine PPD begünstigen.

Ohne Therapie dauert eine PPD meist vier bis sechs Monate, allerdings können manche Symptome auch noch nach einem Jahr fortbestehen. Bei Frauen, die keine Behandlung in Anspruch nehmen, besteht die Gefahr, dass die Depression chronisch wird.

Aus Scham, keine »gute« Mutter zu sein, trauen sich Betroffene oft nicht, über ihre Gefühle zu sprechen. Das kann dazu führen, dass die Angehörigen, die Hebamme und der Frauenarzt nicht oder erst spät erkennen, dass eine Erkrankung vorliegt. Schließlich fühlen sich viele Mütter mal überfordert, ausgelaugt und niedergeschlagen. Der Unterschied zwischen »normal« und »krank« ist deshalb oft nicht leicht zu erkennen.

Fragebogen nutzen

Frauenärzte können im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen vor der Geburt sowie bei Kontrolluntersuchungen nach der Geburt einen speziell für die Erkennung einer PPD entwickelten Fragebogen verwenden, um die psychische Situation einer Frau besser einschätzen zu können. Ziel ist es unter anderem, Frauen mit Suizidgedanken möglichst früh zu erkennen.

Für das Wohl von Mutter und Kind muss eine PPD möglichst früh erkannt und behandelt werden. / Foto: Adobe Stock/Katarzyna Bialasiewicz Photographee.eu

Für das Wohl von Mutter und Kind muss eine PPD möglichst früh erkannt und behandelt werden. / Foto: Adobe Stock/Katarzyna Bialasiewicz Photographee.eu

Die Therapie der PPD soll nach Empfehlung der S3-Leitlinie für Unipolare Depression möglichst aus drei Komponenten bestehen: Psychotherapie, Medikamente und psychosoziale Unterstützung. In schweren Fällen erfolgt die Behandlung in der Klinik.

Von den verschiedenen psychotherapeutischen Techniken haben sich die kognitive Verhaltenstherapie sowie die interpersonelle Psychotherapie zur Behandlung der PPD bewährt. Bei der Auswahl der Arzneimittel muss der Arzt eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung treffen. Um das ungeborene oder gestillte Kind so wenig wie möglich zu belasten, ist eine Monotherapie in der geringstmöglichen Dosis die beste Wahl. Sertralin und Citalopram haben das beste Nutzen-Risiko-Verhältnis in der Schwangerschaft. In der Stillzeit kommen vor allem Sertralin, Fluoxetin und Citalopram zum Einsatz, weil sie kaum unerwünschte Effekte auf das Kind haben. Auch Tricyclische Antidepressiva können laut Leitlinien zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer TTD eingesetzt werden.

Es wird empfohlen, die Medikamente nach Möglichkeit direkt nach dem Stillen beziehungsweise nach dem letzten abendlichen Stillen einzunehmen, um die Konzentration in der Muttermilch möglichst gering zu halten. Ein Antidepressivum mit einer Zulassung speziell für die Wochenbettdepression gibt es in Deutschland nicht.

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