Riedl führte aus, wie er und sein Team pharmazeutisches Know-how einsetzen, um etwa die Kryotherapie patientenfreundlicher abzuwandeln. Die Kühlung der Mundhöhle mithilfe von Eiswasserspülungen oder dem Lutschen von Eiswürfeln während der Infusionen kann das Ausmaß und die Schwere der Läsionen begrenzen. Valide Daten gibt es etwa für die Kältebehandlung während der Verabreichung von 5-Fluorouracil. Durch die Minderdurchblutung der Mundschleimhaut, so die Überlegung, verringere sich die Konzentration toxischer Substanzen in diesem Gewebe, und entzündliche Reaktionen würden unterdrückt, erklärt die dazugehörige Patientenleitlinie.
Das große Problem dabei: Aufgrund des langen und intensiven Kältereizes – die Kältetherapie sollte bereits vor der Infusion beginnen und bis etwa eine halbe Stunde nach deren Ende fortgesetzt werden – ist sie eher schwierig durchzuhalten. Angenehmer als die mitunter scharfkantigen Eiswürfel empfänden viele Patienten das Lutschen tiefgefrorener Fruchtwürfel, etwa aus Ananas, Papaya oder auch Salbeitee, informierte Riedl. »Fruchtkugeln werden noch besser akzeptiert als -würfel. Wir haben auch eine Slush-Ice-Maschine«, informierte Riedl die Anwesenden darüber, wie das Team seiner Krankenhausapotheke versucht, den Patienten entgegenzukommen. Auch eisgekühlte Butterkügelchen oder gekühlte Aloe-vera-Mundspüllösungen fänden bei den Patienten eine bessere Akzeptanz.
Hat sich die Mundschleimhaut dennoch entzündet, gilt die erste Maßnahme der Schmerzbekämpfung. Gute Erfahrungen hat das Lübecker Team mit Heilerde innerlich und Leinsamen gemacht, vor allem wenn auch der übrige Verdauungstrakt in Mitleidenschaft gezogen ist. Vom Leinsamen könnten sowohl der Schleim als auch der Überstand verwendet werden. »Der Überstand eignet sich zum Trinken bei Beschwerden im Mund. Der Schleim wird erwärmt; Patienten mit Parästhesien an Hand und Fuß baden darin ihre Gliedmaßen und empfinden es als angenehm«, berichtete Riedl.
Auch mit Manuka- oder Kanukaöl hat der Experte gute Erfahrungen gemacht, wenn es mit warmem Leitungswasser gemischt wird. Die Mischung eigne sich zum mehrmals täglichen Schlucken oder Gurgeln. Die Daten zu Honig, gleich ob herkömmlicher Art oder Manuka-Honig, seien insgesamt gesehen wenig überzeugend. Die S3-Leitlinie rät bei Beschwerden infolge einer Radiotherapie gar davon ab.