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Neueinführungen
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Zwei Antikörper, zwei Einsatzgebiete

Mitte Februar kamen zwei neue Wirkstoffe in den deutschen Handel. Beide sind Antikörper: Zanidatamab kommt bei biliären Karzinomen als Therapieoption infrage. Teplizumab soll den Autoimmunprozess bei Typ-1-Diabetes modulieren, sodass der Übergang von Prädiabetes zu manifestem Diabetes hinausgezögert wird.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 25.02.2026  16:00 Uhr

Typ-1-Diabetes ist eine fortschreitende Autoimmunerkrankung, bei der die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse irreversibel zerstört werden. Die Erkrankung beginnt häufig unbemerkt – lange bevor erste Symptome auftreten. Man teilt sie in vier Stadien ein: Die beiden ersten Stadien werden als Prädiabetes bezeichnet. Autoantikörper lassen sich hier bereits nachweisen. Im Stadium 2 sind die Blutzuckerwerte aufgrund des fortschreitenden Verlusts von Betazellen bereits abnormal. Im Stadium 3 ist dann ein signifikanter Anteil an Betazellen zerstört, es kommt zur Hyperglykämie – und die typischen Symptome wie übermäßiger Durst, häufiges Wasserlassen, verschwommenes Sehen oder unerklärliche Gewichtsabnahme treten auf. Stadium 4 ist schließlich der langjährige Typ-1-Diabetes. Autoantikörper können in diesem Stadium nicht mehr gemessen werden, da die meisten Betazellen bereits zerstört sind.

Der neue Antikörper Teplizumab (Teizeild® 1 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Sanofi) ist zugelassen zur Verzögerung des Fortschreitens von Typ-1-Diabetes in das Stadium 3 bei erwachsenen und pädiatrischen Patienten ab acht Jahren mit Typ-1-Diabetes im Stadium 2. Teplizumab ist damit das erste und einzige krankheitsmodifizierende Therapeutikum bei autoimmunem Typ-1-Diabetes – eine große Innovation also.

Der Antikörper bindet an CD3, ein auf T-Lymphozyten vorhandenes Zelloberflächenantigen, und verzögert das Fortschreiten der Erkrankung bei Patienten mit Typ-1-Diabetes im Stadium 2. Das Wirkprinzip ist noch nicht vollständig geklärt. Man nimmt an, dass es unter anderem zur Deaktivierung von zytotoxischen T-Lymphozyten (CD8+), die die Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreifen, kommt. Zudem soll der Antikörper den Anteil an regulatorischen T-Zellen erhöhen, die zum Schutz der Betazellen beitragen. So kann der Ausbruch der Erkrankung zumindest ausgebremst werden.

Teizeild soll mit einem auf der Körperoberfläche basierenden Dosierungsschema einmal täglich an 14 aufeinanderfolgenden Tagen verabreicht werden. Die Prämedikation sollte jeweils vor der Infusion an den ersten fünf Tagen der Behandlung erfolgen mit folgenden Arzneimitteln: einem nicht steroidalen Antirheumatikum (NSAR) oder Paracetamol, einem Antihistaminikum und gegebenenfalls einem Antiemetikum.

Wichtig: Alle altersgerechten Impfungen sollten vor Beginn der Behandlung verabreicht werden. Inaktivierte oder mRNA-Impfungen werden innerhalb von zwei Wochen vor Beginn der Behandlung, während der Behandlung und bis zu sechs Wochen nach Abschluss der Behandlung nicht empfohlen. Attenuierte Lebendimpfstoffe sollten innerhalb von acht Wochen vor Beginn der Behandlung, während der Behandlung und bis zu 52 Wochen nach Abschluss der Behandlung nicht zum Einsatz kommen.

Vor Beginn der Behandlung wird ein großes Blutbild erstellt und es werden Leberenzymtests durchgeführt. Liegen Laborwerte ober- oder unterhalb bestimmter Grenzen, wird die Anwendung von Teplizumab nicht empfohlen, etwa bei einer herabgesetzten Lymphozyten- oder Thrombozytenzahl, einem niedrigen Hämoglobinwert, einer geringen absoluten Neutrophilenzahl sowie bei erhöhten Werten von Alanin-Aminotransferase (ALT), Aspartat-Aminotransferase (AST) oder Bilirubin. Auch bei einer akuten Infektion mit dem Epstein-Barr- oder dem Zytomegalievirus soll Teplizumab nicht angewendet werden.

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren Lymphopenie, Leukopenie, Neutropenie und Ausschlag. Die häufigste schwerwiegende Nebenwirkung war das Zytokin-Freisetzungssyndrom, zu dem es auch einen separaten Warnhinweis in der Fachinformation gibt. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Teplizumab und für 30 Tage nach der letzten Behandlungsdosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, sowie Schwangere sollen den Antikörper nicht erhalten. Das Stillen sollten Frauen während der Behandlung und für 30 Tage nach der letzten Behandlungsdosis unterbrechen.

Bispezifischer Antikörper bei Krebs

Gallenblasenkrebs und das Cholangiokarzinom zählen zu den biliären Karzinomen. Etwa ein Viertel aller biliären Karzinome ist HER2-positiv. Hohe HER2-Konzentrationen tragen dazu bei, dass die Krebszellen schneller wachsen, was mit schlechteren Überlebenschancen im Vergleich zu HER2-negativer Erkrankung verbunden ist. Der neue Antikörper Zanidatamab (Ziihera® 300 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Jazz Pharmaceuticals) ist die erste HER2-gerichtete Therapie, die in der EU für HER2-positive biliäre Karzinome eine Zulassung erhalten hat.

Zanidatamab ist ein bispezifischer Antikörper. Mit beiden »Armen« greift der Wirkstoff zum HER2-Rezeptor. Zum einen bindet er an die extrazelluläre Domäne 2 und zum anderen an die Domäne 4 auf separaten HER2-Monomeren. Dies führt zur Internalisierung des Antikörper-Rezeptor-Komplexes und damit zur Reduzierung der HER2-Rezeptordichte auf der Oberfläche von Krebszellen. Zanidatamab induziert zudem komplementabhängige Zytotoxizität, antikörperabhängige zelluläre Zytotoxizität und antikörperabhängige zelluläre Phagozytose. Diese Mechanismen führen gemeinsam zur Hemmung des Tumorwachstums und zum Absterben der Tumorzellen.

Zugelassen ist Zanidatamab als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem HER2-positivem biliären Karzinom, die zuvor mit mindestens einer systemischen Therapie behandelt wurden. Vor Therapiestart muss mittels Test nachgewiesen worden sein, dass der betreffende Patient einen HER2-positiven Tumorstatus aufweist (IHC 3+).

Die empfohlene Dosis von Ziihera beträgt 20 mg/kg und wird als intravenöse Infusion alle zwei Wochen verabreicht. Die Therapie erfolgt bis zur Progression der Erkrankung oder bis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität. Eine Prämedikation mit einem Corticosteroid, einem Antihistaminikum und einem Antipyretikum wird in der Fachinformation empfohlen. Sie sollte 30 bis 60 Minuten vor jeder Infusion verabreicht werden. Die Funktion des linken Herzventrikels muss zu Beginn und in regelmäßigen Abständen während der Behandlung beurteilt werden. Bei linksventrikulärer Funktionsstörung wird die Dosis angepasst.

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen der Therapie zählen unter anderem Durchfall, infusionsbedingte Reaktionen, Ermüdung/Fatigue, Anämie und Ausschlag.

Aufgrund des Wirkmechanismus kann Zanidatamab den Fötus schädigen, wenn es bei Schwangeren angewendet wird. Patientinnen sollten darauf hingewiesen werden, während der Anwendung von Ziihera eine Schwangerschaft zu vermeiden. Vor Beginn der Behandlung sollte eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden.

Patientinnen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Ziihera und für vier Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. In der Stillzeit ist zu entscheiden, ob die Frau das Stillen unterbricht oder ob auf die Behandlung mit dem neuen Antikörper verzichtet wird. Beide neuen Präparate sind im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern.

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