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Beikost
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Babys erster Speiseplan

Sechs Monate ausschließlich stillen und dann erst Beikost einführen – so lautet die neue Empfehlung der ersten deutschen S3-Leitlinie zur Stilldauer. Kinderärzte sehen dies jedoch kritisch und eine andere Leitlinie rät zu einem deutlich früheren Beikost-Start. Was sollen Eltern davon halten?
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 24.04.2026  08:00 Uhr

1, 2, 3, Brei

Nun kommt der zweite Brei ins Spiel, meist der Milch-Getreide-Brei. In vielen Familien wird er abends gefüttert, kann aber auch nachmittags oder mittags gegeben werden. Wer den Milchbrei selbst zubereiten möchte, sollte dafür pasteurisierte und ultrahocherhitzte Vollmilch, länger frische (ESL) H-Milch mit 3,5 Prozent Fett oder eine Säuglingsmilch verwenden. Roh- oder Vorzugsmilch sind keinesfalls geeignet, da sie Bakterien enthalten können, die bei Kindern teils schwere Lebensmittelinfektionen auslösen. Wer fertigen Milchbrei kauft, sollte Produkte mit möglichst wenigen Zutaten wählen. Kakao, Schokolade, Aromen und Süßungsmittel haben im Babybrei nichts zu suchen. Auch Zusätze von Vitaminen, Mineralstoffen und Milchsäurebakterien sind nicht nötig.

Nach etwa einem weiteren Monat kommt der dritte Brei hinzu, der milchfreie Getreide-Obst-Brei. Vollkorngetreideflocken für Babys (ohne Zuckerzusatz), zum Beispiel Hafer-, Dinkel-, Weizen- oder Hirseflocken, werden mit etwas Wasser verrührt, aufgekocht und quellen gelassen. Dazu kommt dann Obstpüree – gut verträglich sind etwa Apfel, Birne, Pfirsich, Aprikose, Nektarine, Banane – und etwas Rapsöl.

Bei den Zutaten ist Abwechslung wichtig, damit das Baby früh viele Geschmäcker kennenlernt. Neue Lebensmittel sollten, auch wenn sie zunächst verweigert werden, mehrmals ohne Zwang angeboten werden. Will das Kind irgendwann den Löffel selbst halten und zum Mund führen, sollten die Eltern das unterstützen – auch wenn das viel Kleckerei bedeutet.

Wenn das Baby schließlich drei Breie am Tag isst, braucht es außer Muttermilch oder Prenahrung zusätzlich Wasser zum Trinken, am besten aus Tasse oder Becher. Dauernuckeln mit einem Saft in der Flasche oder die »Flasche zum Einschlafen« mit Milch oder gar zuckerhaltigen Getränken können die Zähne schädigen. Kuhmilch eignet sich zum Trinken erst gegen Ende des ersten Lebensjahres – und zwar nur zur Brotmahlzeit aus Becher oder Tasse. Andere Milchprodukte, etwa Quark oder Fruchtjoghurt als Zwischenmahlzeit oder Dessert, werden im ersten Lebensjahr ebenfalls noch nicht gefüttert.

Auch nach dem Beikoststart wird das Kind so lange weiter zusätzlich gestillt, wie Mutter und Kind es möchten. Zum Ende des ersten Lebensjahres löst die (schwach gewürzte) Familienkost dann nach und nach die Breiphase ab.

Diese schrittweise Einführung der verschiedenen Breie und eine gleichzeitige Reduzierung der Stillfrequenz ist der klassische Weg der Beikosteinführung, der seit Jahrzehnten einem festen Schema folgt. Heute sieht man das Ganze jedoch flexibler und individueller: Je nach Vorlieben und dem Geschmack von Baby und Eltern kann man – in Absprache mit Kinderarzt und Hebamme – von diesem Plan abweichen und ihn verändern.

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